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04.04.2012 | 11:41 0 Autor: Max Leßmann RSS Feed

Vierkanttretlager – Unterwegs (Teil 1)

News 16077Siebenmeilenstiefel, Schnaps und Fladenbrot - Vierkanttretlager-Sänger und VISIONS-Autor Max Leßmann berichtet von der Headliner-Tour seiner Band.

27.03. Gießen – Muk

Nach deinem Album sollst du ruh´n oder 1.000 Schritte tun. Und weil wir jugendlich und unruhig sind, steigen wir nun also in unseren motorisierten Siebenmeilenstiefel und fahren das erste Mal ganz als wir selbst durch die Lande. Wie immer Angst und Freude, diesmal beides in noch höherer Potenz. Gleich am ersten Halt unserer Reise werden wir an alte Zeiten erinnert, die eigentlich weniger als ein halbes Jahr alt sind, aber es sind die Zeiten, die man in Zukunft für all die kommenden Generationen so nennen wird. Denn selbstredend glorreich waren sie. Wir betreten die Konzertstätte, die immer noch den Geist von Trinkherz und Trockennebel atmet. Die Barmänner grinsen, als wir kommen, auch sie haben uns nicht vergessen. Draußen grillen sie, im ersten Stock gibt es einen Linseneintopf, der nicht weniger grandios schmeckt als die Kürbissuppe vom letzten Mal. Nachdem Boy Android, diese wunderbar bayrischen Feingeister, den Abend für uns eröffnet haben, betreten wir die dunkle Bühne. Selbstredend ist das erste Konzert auch für uns eine Findungsphase, doch wir finden uns schnell und auch den Menschen scheint das zu gefallen. Plötzlich, mitten im Lied, wird mir klar, dass diese Menschen heute unseretwegen gekommen sind. Wir sind heute Hauptgericht. Das ist schön.

Was wir nicht ahnen, ist, dass ein Höhepunkt ganz anderer Natur unter unseren Füßen liegt. In der Bierseligkeit unseres letzten Besuchs hatten wir nicht bemerkt, dass sich die Konzertstätte in einem ehemaligen Bunkergebäude befand. Auf unserer Reise in Keller und Vergangenheit, die von unserem Führer mit gut einstudierten Taschenlampenschwenks erleuchtet wird, stoßen wir jedoch auch auf sehr Gegenwärtiges. Eine etwas andere Feiergemeinde hat sich in geschichtsträchtigem Umfeld eine Spiellandschaft aus Särgen, Kerzenwachs und Behandlungsstühlen aufgebaut. Wir kichern und staunen, der vorausgelaufene Geschichtsreferent kommt zurück und leuchtet uns prüfend ins Gesicht. Wir finden unsere Fassung wieder, er seinen Faden, trotzdem sind wir uns bis zuletzt nicht ganz einig, was wir spannender finden sollen. Wir schlagen das Angebot aus, doch hier am sichersten Ort Gießens zu übernachten, und fahren mit Bier, Schnaps und Fladenbrot ins Hotel.

Nachdem wir in norddeutscher Tradition einige Glaskaraffen erst mit Wodka und Cola gefüllt und dann wieder geleert haben, beschließen wir, die Spielhölle nebenan zu besuchen. Nach einer halben Stunde haben wir bei Columbus Deluxe drei Euro gewonnen und werden dann zur Tür gebeten. Wir kommen noch einmal zurück und gewinnen wieder, diesmal schleichen wir uns raus, bevor das auffällt. Zum Einschlafen sehen wir einem Helikopter zu, der scheinbar nächtelang durch Skylines amerikanischer Großstädte fliegt. Dazu läuft Lounge Jazz.


Entschuldigung, ich habe gestern am Automaten gewonnen

28.03. – Dortmund – FZW

Ich bezahle drei Brezeln zum Preis von einer und einen Eistee mit elf 20-Cent-Münzen. Der Bäcker sieht mich zweifelnd an. "Tut mir Leid", sage ich, "ich habe gestern am Automaten gewonnen." Einer dieser absurd wunderbaren Sätze. Er gratuliert mir, wir fahren nach Dortmund. Jens erklärt uns, wie ein richtiger Dortmunder seine Stadt betont. Während der ersten Silbe reißt er die Augen auf, um sie dann mit dem Verschlucken des "t"-Lauts beide für eine Bruchteilsekunde zusammenzukneifen. Es folgt ein hastiges "-mund". Wir sind begeistert, Jens verspricht, es uns zu beweisen. Wir besuchen ein Radio. Die schöne Moderatorin spielt, ohne es zu wissen, nur unsere Lieblingslieder. Die Sonne scheint, wir sind beschwingt. "Dortmund" sagt sie ganz normal.

Später das Konzert. Es singen Menschen unsere Texte mit. Wir sind beeindruckt. Nach dem Konzert fühle ich mich wie eine leere Hülle, sehr froh aber. Wir beschließen den Abend ruhig zu schließen, obwohl jeder weiß, das es anders kommen muss. Nach einigen Dortmunder Bieren unter einem Kriegsschiffgemälde, wird Jens beim Versuch, dem Barkeeper ein stilechtes "Dortmund" abzuringen, fast von einem Bleistift erstochen. Dann trinken wir Schnaps im Park.

Später im Hotel sind wir schon sehr betrunken und so entscheiden sich Jens und ich dazu, noch ein wenig an der Hotelbar zu bleiben. Die Parole ist, noch einmal völlig gegen die eigenen Trinkgewohnheiten zu verstoßen. Wir bestellen Smirrnoff Ice und Aperol Spritz. Jetzt sind wir wirklich sehr betrunken. Wir fragen den Barkeeper, was es wohl kosten würde, alle Sorten Schnaps zusammen in ein Glas zu füllen und er sagt 80 Euro. Wir denken darüber nach. Neben uns fällt einem Freund des Barkeepers regelmäßig das Handy vom Ohr. Auf dem Barhocker sitzend ruft er noch ein paar mal hilflos "Richard" hinterher, dann steht er umständlich auf und nimmt das Telefon vom Boden. Richard ist noch dran. In die allgemeine Erleichterung entscheiden wir und für eine Reihe Schnaps, der Barkeeper macht uns ein gutes Angebot. Am nächsten Morgen wachen wir auf, das halbvolle Glas Schnaps steht noch auf dem Nachttisch. War aber total lecker, sagen wir. Und meinen das sogar ernst. Wir hoffen, der Barkeeper durfte seinen Job behalten.


Soundcheck - Come on!

30.03. Hamburg – Prinzenbar

Auf unserem Weg zur Prinzenbar treffen wir auf ein zweigeteiltes Ruhrpott-Rentner-Kollektiv.

Die einen stehen etwa auf unserer Höhe, die anderen kommen uns mit Abstand von etwa 100 Metern entgegen. "Und? Hubert, habta die Nutten gefunden?" Von Hubert kommt ein blökendes "Nöö". Unsere Dicken schütteln den Kopf, solche Anfänger scheinen sie zu denken. "Na dann müsst ihr da vorne hochgehen", ruft ein anderer. Du geile Meile. Die Stimmung steigt. Nach einigen Fußballwetten beim Italiener waren wir gestern an unserem freien Tag schon früh ins Bett gegangen. Wieder hatten wir die Taschen voll mit 20-Cent-Stücken. An der Prinzenbar angekommen, helfen wir einem Mann, einen Flammenwerfer aus dem Auto zu laden. Er beteuert, der wäre für unsere Bühnenshow, als sich herausstellt, dass er an der falschen Lieferadresse ist, sind wir ein bisschen enttäuscht, aber sehr erleichtert. Die Prinzenbar ist schön, als sie plötzlich voll ist noch schöner. Menschen in all den besten Jahren stehen da, wir sind beeindruckt. Wir gehen erst wieder, als wir jedes Stück gespielt haben, wieder sind wir leer, doch glücklich. Ich habe keine Stimme mehr. Nase und Hals fühlen sich ungesund an. Es muss alles schnell gehen. In der Prinzenbar ist jetzt gleich Madonna-Release-Party. Ohne Madonna, dafür mit einem zwei Meter großen Double. In etwa als würde Dirk Nowitzki bei unserer Release-Party auftreten. Wir räumen den Laden in Blitzgeschwindigkeit leer. Dann Bier.


Caught in the act

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