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VISIONS Nr. 247 - 10/2013

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VISIONS 247

Fast zwei Jahrzehnte muss man zurückgehen, bis man beim bisher letzten HipHop-Künstler auf dem VISIONS-Cover ankommt. Im Oktober 1994 waren es Public Enemy. Es sei einmal dahingestellt, ob es seitdem nicht weitere Protagonisten des Genres verdient gehabt hätten, unseren Titel zu schmücken. Die viel entscheidendere Frage ist: Fällt Casper überhaupt in diese Kategorie? Machen ihn seine MC-Vergangenheit und der Umstand, dass er lieber rappt als singt, schon zu einem HipHop-Künstler? Fakt ist: Caspers beispielloser Siegeszug seit "XOXO" endet nicht an den Grenzen dieses Genres; gerade auch im Rock sammelt er scharenweise Fans. Und denkt man sich seine Stimme auf der neuen Platte "Hinterland" mal kurz weg, landet man bei einem lupenreinen Indie-Album. Nicht zuletzt liegt das wohl daran, dass er selbst ein großes Herz für Rock hat. Das kommt in seiner Musik ebenso durch wie etwa beim Titelshoot für diese Ausgabe: Unweit der Berliner Schaltzentrale seiner Management-Agentur "Beat The Rich" ließ sich Casper – auf eigenen Wunsch – nach Vorlage eines Buchs über norwegischen Black Metal schminken. Im Hintergrund lief Darkthrone.

Als Casper dann einige Tage später für eine Warm-up-Show zu Hinterland auf der Bühne des Berliner Magnet-Clubs stand, hatte er sich die Metal-Camouflage zwar wieder runtergewaschen. Ein furioses Konzert wurde es aber auch so. Exklusiv mit dieser Ausgabe veröffentlichen wir deshalb eine Live-EP von diesem Abend, zusätzlich zur All Areas-Compilation. Und es wird noch besser. Abonnenten (und solche, die es werden wollen) kommen diesmal sogar auf drei CD-Beilagen: Zwei Jahre nachdem wir euch das "Wildlife"-Album von La Dispute ins Heft gelegt haben, ist die andere große "The-Wave"-Band fällig: Touché Amoré mit ihrer neuen Platte "Is Survived By", einem weiteren grandios-aufwühlenden Meisterwerk des Posthardcore. Damit erhalten visions-Abonnenten das Album noch früher als alle, die es sich in Mailordern vorbestellt oder für den VÖ-Tag einen Plattenladenbesuch fest eingeplant haben. Der Band soll es nur recht sein: „Uns ist egal, wie die Leute an unsere Musik kommen“, sagt Sänger Jeremy Bolm. „Hauptsache, sie gefällt ihnen. Wir wollen, dass uns so viele Menschen hören wie möglich.“

Ein Satz, der so oder ähnlich wohl kaum Kurt Cobain in den letzten Monaten seiner Karriere über die Lippen gegangen wäre. 20 Jahre – also noch etwas länger als Public Enemy auf dem VISIONS-Titel – ist es her, dass Nirvana ihr drittes und letztes Album In Utero veröffentlichten: eine böse, abgründige Platte, auf der Cobain seinen ungewollten Höhenflug in den Mainstream mit Nevermind verarbeitete. Seine Bandkollegen Dave Grohl und Krist Novoselic konnten damals nur zusehen, wie er am Erfolg zerbrach. Heute sind sie die Einzigen (neben Courtney Love), die Cobains Niedergang aus nächster Nähe erlebten und sein musikalisches Vermächtnis "In Utero" richtig einordnen können. Unser Autor Markus Hockenbrink traf die beiden in Los Angeles und führte mit ihnen ein eindringliches Interview. „Es war eine schwere Zeit, die Kurt nicht überlebt hat“, sagte Novoselic. „So etwas kann man nicht überspielen.“ Am Ende lockerte sich die Atmosphäre aber doch noch: Nach dem Gespräch duellierten sich Hockenbrink und Novoselic am Flipperautomaten. Grohl und Novoselic werden euch übrigens dieses Jahr noch einmal in VISIONS begegnen – in unserem großen Jubiläumsheft Nummer 250, das am 18. Dezember erscheint. Zu viel spoilern wollen wir noch nicht, die Teaseranzeige weiter hinten im Blatt sollte euch aber weitere Indizien liefern. Gebührend feiern werden wir unser Doppeljubiläum – 250 Ausgaben, 25 Jahre – natürlich auch abseits der Heftseiten; wir halten euch auf dem Laufenden. Bis dahin versteht unser dreitägiges Westend Festival vom 3. bis 5. Oktober als Einstimmung auf die noch größeren Partys, die folgen. Für den ersten Westend-Abend mit Baroness, Long Distance Calling und The Ocean gibt es noch Karten, die anderen Tage sind bereits ausverkauft. Wir sehen uns im FZW! Bis dahin viel Spaß mit VISIONS 247!

Dennis Plauk für die Redaktion

Die CDs im Heft: All Areas Vol. 155 - mit Soulfly, Okkervil River, Ef, Vattnet Viskar und vielen mehr.

Casper - "Live im Magnet"

Casper-EP

01. "Im Ascheregen"
02. "Auf und davon"
03. "Das Grizzly Lied"
04. "Michael X"
05. "Hinterland"

Inhalt der Augabe

Titelstory: Casper

Mit Indie- und Postrock-Einflüssen und pathetisch-authentischen Texten wurde "XOXO" 2011 zum deutschen HipHop-Meilenstein mit Folgen: Chartspitze, ausverkaufte Touren, ein Echo, zwei Kronen, eine Goldene Schallplatte und fast ein Bravo-Otto. Nach einigen Fehlentscheidungen der Vergangenheit hat Casper mindestens eine richtige getroffen: Er hat sich ein Umfeld gesucht, aus dem heraus er jetzt mit Souveränität und gesunder Naivität "Hinterland" veröffentlichen kann: weder ein Rap-Album noch "XOXO 2", sondern „die Platte eines Musikliebhabers“.

Touché Amoré

Zwei Alben lang war Jeremy Bolm der Tagebuchschreiber all derer, die im Posthardcore zu Boden starren, sich die Finger kaputt knibbeln und jedes Gespräch mit einem nervösen Murmeln beenden, bevor es überhaupt beginnen kann. Jetzt sieht er den Menschen in die Augen. Was wird aus Antihelden, denen es plötzlich besser geht denn je? Wo bleibt das kollektive Selbstmitleid, wenn die Hymnen stattdessen von Zufriedenheit handeln? Auf ihrem dritten Album werfen Touché Amoré mehr Fragen auf, als man in einem Leben beantworten kann.

Okkervil River

Die Zeiten, in denen Okkervil River gleich auf der Stufe unter Arcade Fire standen, sind vorbei. Nach einer ungeliebten Platte orientiert sich die Band an den eigenen Anfängen in der amerikanischen Ostküstenprovinz und spielt Songs, die klingen wie 1986 aus dem Rockradio aufgenommen. Sänger Will Sheff macht sich aber keine Illusionen: Auch "The Silver Gymnasium" wird den Rock’n’Roll nicht mehr retten.

Serj Tankian

Krude war nicht krude genug: Schon die ersten Soloalben von Serj Tankian waren ein starker Kontrast zum Alternative Metal von System Of A Down. Jetzt ist er mit zwei Platten in vier Wochen durch Klassik und Jazz gestreift, steht aber trotzdem weiter mit System auf der Bühne. Neue Songs: Fehlanzeige. Wird sich daran noch etwas ändern? Dennis Plauk traf Tankian bei Rock im Pott.

Jupiter Jones

Was macht man, wenn der alte Punker-Kumpel plötzlich als Bankkaufmann arbeitet? Der Aufstieg von Jupiter Jones von Dorfrockern zu einer der erfolgreichsten Popbands Deutschlands provoziert in Punkrock-Kreisen noch immer böse Wörter wie „Verrat“ und „Ausverkauf“. Spricht man sie selbst darauf an, ergibt sich das Porträt einer Band, die es nie anders gewollt hat.

Nirvana: 20 Jahre "In Utero"

Eine merkwürdige Vorstellung: Sind die Kids, die sich heute das schwarze Nirvana-T-Shirt mit dem gelben Smiley anziehen, die gleichen, die vor 20 Jahren ein T-Shirt von den Doors getragen hätten? "Nevermind" hätte wahrscheinlich ja gesagt, "In Utero" sagt höchstens vielleicht. Dass Kurt Cobain sich wenige Monate nach seinem Erscheinen umgebracht hat, verleiht dem Album auch 20 Jahre nach seinem Erscheinen die Aura eines Requiems. Selbst die Leute, die "In Utero" lieben, haben gleichzeitig ein bisschen Angst davor. Die aktuelle Wiederveröffentlichung erinnert einen daran, dass es dafür gute Gründe gibt. Markus Hockenbrink fand sie im Interview mit Dave Grohl und Krist Novoselic.

65daysofstatic

Nach vier vielschichtigen Alben haben 65daysofstatic die Faszination des Simplen entdeckt: Auf "Wild Light" drapieren sie ihre Klangtürme um nur noch ein Thema pro Song und müssen trotzdem aufpassen, sich nicht zu verheddern. An Spannung mangelt es dem Album jedenfalls nicht. „Unsere Musik bleibt eine Grenzerfahrung“, sagt Paul Wolinski.

Pixies

Die Pixies lieben Überraschungen. Ihre Rückkehr auf die Bühne vor fast zehn Jahren war ebenso eine wie die nun aus heiterem Himmel erschienene "EP 1" mit vier neuen Songs. Und das ist erst der Anfang: Es wird künftig viel passieren mit den Indierock-Ikonen – erfahren werden wir es aber immer erst, wenn es so weit ist. Welcher Plan dahinter steckt, hat Sascha Krüger im Interview mit der Band erfahren.

Die Ärzte

Das Jubiläumsduell gegen die Toten Hosen haben Die Ärzte nach Verkaufszahlen zwar verloren, live hatte Deutschlands „Beste Band der Welt“ aber auch so manch einen Tag wie diesen. Treu und loyal begleitet von Reihe Eins feixten und stolperten Die Ärzte allabendlich durch ihr mehr als dreistündiges Set, das im Gegensatz zur Tourmaschine aus Düsseldorf tatsächlich täglich neu ausgelost und um obskure Songs erweitert wurde. "Die Nacht der Dämonen" hat alles festgehalten.

Live

Konzertberichte der letzten Wochen unter anderem mit Massive Attack, No Age, dem Greenville Festival, Oathbreaker und Judge.

Beilage: 155 - All Areas CD

Tracklisting

155 - All Areas CD Cover
  1. Soulfly - Bloodshed
  2. Red Fang - Blood Like Cream
  3. Arcane Roots - Triptych
  4. Okkervil River - Where The Spirit Left Us
  5. De Staat - Devil's Blood
  6. The Red Paintings - You're Not One Of Them
  7. Arliss Nancy - Benjamin
  8. Dave Hause - We Could Be Kings
  9. Ef - Bells Bleed & Bloom
  10. Drenge - Face Like A Skull
  11. Vattnet Viskar - Mythos
  12. Pinkish Black - Razed To The Ground

Beilage: 157 - Casper - Live im Magnet

Tracklisting

157 - Casper - Live im Magnet Cover
  1. Casper - Im Ascheregen
  2. Casper - Auf und davon
  3. Casper - Das Grizzly Lied
  4. Casper - Michael X
  5. Casper - Hinterland