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VISIONS Nr. 242 - 05/2013

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VISIONS 242

Zweimal waren die Deftones bereits auf dem VISIONS-Titel, seit ihr Bassist Chi Cheng im November 2008 bei einem Autounfall lebensgefährlich verletzt wurde und ins Koma fiel. Er ist nicht mehr daraus erwacht: Obwohl sich Chis Zustand über die Jahre zu verbessern schien und seine verbliebenen Bandkollegen in unseren Interviews mehrfach ihre Hoffnung zum Ausdruck brachten, ihn eines Tages wieder bei vollem Bewusstsein zu erleben, starb er am 13. April mit 42 Jahren – letztlich trotzdem überraschend. Wir möchten diesen Verlust mit einigen Zeilen unseres ehemaligen Redakteurs Jochen Schliemann unterstreichen, der den Deftones-Bassisten über die Jahre mehrfach traf:

„Wenn ich an Chi Cheng denke, denke ich an eine Nacht in einem Hotel irgendwo in den USA, in der Chi, auf dem Bett liegend, eineinhalb Stunden mit einem jungen deutschen Journalisten telefonierte und alle, wirklich alle seine Fragen beantwortete. Er hatte bestimmt etwas anderes vor, war mitten auf Tour, das zweite Deftones-Album Around The Fur machte die Band groß, aber dennoch hat Chi, glaube ich mich zu erinnern, während unseres Gesprächs insgesamt drei Leute an der Tür abgewimmelt, um mit mir zu reden. Er wirkte positiv, offen, geduldig, freundlich.

Mehrfach sollten wir uns seitdem über den Weg laufen, dreimal allein zum Interview. Interviews mit den Deftones sind insofern besonders, als die Band aus sehr unterschiedlichen Charakteren besteht und auch untereinander kein Blatt vor den Mund nimmt. Oft habe ich Chi als Vermittler erlebt, als denjenigen, der Stephens harte Worte sozial verträglicher verpackte, oder als denjenigen, der Chinos Handlungen, den irrationalen Vibe der Band erklärte. Chi war auch ein Lebemann. Jedes gelebte Jahr war ihm anzusehen, wenn ich ihn wiedertraf. Er feierte gern, war lustig, aber dachte auch viel nach. Wer im Netz unterwegs ist, weiß, wie sehr Chis Tod auch sie als befreundete Musiker trifft. Aber selbst die, die ihn nur ein paar Mal kurz persönlich trafen, fühlen die Lücke, die Chi Cheng hinterlässt. Danke für die Hilfe damals, und die Musik.“

Mit dieser Ausgabe schauen wir natürlich nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne: Die Titelbilder teilen sich Punk-Poet Frank Turner und die deutsche Progrock-Hoffnung Okta Logue. The Postal Service haben uns zum runden Jubiläum ihres Albumklassikers Give Up ein exklusives Interview gegeben. Und während unser Autor Frederik Tebbe die Donots ein Stück auf ihrer US-Tour begleitete, holte Daniel Gerhardt anlässlich des neuen Stooges-Albums Iggy den Leibhaftigen ans Telefon. Viel Spaß mit Ausgabe 242!

Die CD im Heft - All Areas Vol. 151 - mit Frank Turner, The Stooges, The Ocean, Okta Logue, Orchid, Computers u.v.m.

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Inhalt der Ausgabe

Titelstory: Frank Turner

Frank TurnerFrank Turner hat es wieder getan: Der Ex-Punk und bekennende Realist ist einmal um die Welt gereist, hat alte Vorurteile abgelegt und die größten Konzerte seiner Karriere gespielt. "Tape Deck Heart" verpackt die Erlebnisse in traditionsbewussten Folkrock, der seine Vorbilder links liegen lässt und Platz schafft für unkonventionelle Nachfolger. "Rock’n’Roll ist eine jugendliche Kunstform," sagt er, "aber ich kann mich mit 31 nicht mehr anstellen wie ein verliebter Teenager." Pünktlich zu seinem fünften Album ist der Wessex-Junge sesshaft geworden – zumindest auf dem Papier.

Okta Logue

Okta LogueJahrzehntelang galten Progressive und Psychedelic Rock als uncoole Sackgassen der Musikgeschichte. Mittlerweile senden beide Stile wieder maßgebliche Impulse an ein immer breiter werdendes Spektrum aufregender Genres weltweit. Mit ihrem zweiten Album "Tales of Transit City" formulieren Okta Logue aus Südhessen ein zeitgemäßes Update, das eine klare Trennungslinie zwischen Nostalgie und Ästhetik zieht und die Band aus dem Stand zu einer der interessantesten Neuentdeckungen des Jahres macht. Cockrock-Allüren und Gitarrenexzesse mögen nicht zu ihrer Geschmackswelt gehören, der Appetit auf Peace, Love und Riesenpublikum schon.

The Postal Service

The Postal Service"No keyboards used", heißt es stolz auf vielen älteren Indierock-Platten. Als 2003 "Give Up" von The Postal Service erscheint, wendet sich das Blatt: Indie und Elektronik gehen seitdem zusammen – und Millionen Plattenkäufer gehen mit. André Bosse hat Jimmy Tamborello zehn Jahre nach ihrem wegweisenden Album interviewt und erzählt die Story zum runden Geburtstag.

The Stooges

The StoogesIGGY & The Stooges waren Punk vor den Punks, das Ende der Hippies und eine der ersten wirklich gefährlichen Rockbands. Außerdem hat ihr Sänger vom Frontmann außer Kontrolle über die Konfrontation mit dem Publikum bis zur lustvollen Selbstvernichtung jedes Rock’n’Roll-Klischee mitgeprägt, das noch heute von Bedeutung ist. Und all das nur, um Akzeptanz zu finden. Acht Schlüsselmomente und ihre Folgen, von Iggy Pop aus dem Off kommentiert.

Donots doing America

DonotsKnapp 20 Jahre haben die Donots gebraucht, um endlich dorthin zu gelangen, wo die Ursprünge ihrer Musik liegen. Die Rede ist nicht von einem westfälischen Acker, sondern von der heißen gelben Sonne der US-Westküste. Die Band aus Ibbenbüren verbringt den gesamten März auf einer ausgedehnten Tour in den Staaten, "Wake The States" lautet das treffende Motto. Drei Wochen dieser Klassenfahrt finden an der Westküste statt, vier Tage davon schließt sich Frederik Tebbe an und erlebt die Donots als wohl freundlichste und entspannteste Reisegruppe der Welt.

Weitere Themen:

Themeninterview: Jared Leto | The Ocean | Heaven Shall Burn | Phoenix | Wie kauft man: David Bowie | Stone Sour | Nails | Depeche Mode | Vampire Weekend | Terror | Tracer | Yeah Yeah Yeahs | Love A | Iron And Wine | Suicidal Tendencies | Blind Date: Down | The Thermals | Life Coach | Johnossi | Cold War Kids | Jello Biafra

Außerdem:

Der Soundcheck in diesem Monat mit Frank Turner, Iggy & The Stooges, Okta Logue, Iron And Wine, The Ocean, Phoenix und vielen anderen. Die wichtigsten Platten des Monats, Vinyl, DVDs und Games auf 30 Seiten rezensiert.

Live

Konzertberichte aus den letzten Wochen. Diesmal unter anderem mit Steven Wilson, Foals, Mumford & Sons, Kvelertak und Finch.

Beilage: 151 - All Areas CD

Tracklisting

151 - All Areas CD Cover
  1. Frank Turner - Plain Sailing Weather
  2. Okta Logue - Judith
  3. Iggy & The Stooges - Burn
  4. The Ocean - Disequillibrated
  5. Tracer - El Pistolero
  6. Orchid - Loving Hand Of God
  7. Terror - Hard Lessons
  8. Templeton Pek - Trial And Error
  9. Goodbye Fairground - Western Gold
  10. Ventura - Nothing Else Mattered
  11. The Black Angels - Don’t Play With Guns
  12. The Computers - Sex Texts