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05.10.2001 Autor: UEBLACKER

Die Ärzte Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!

Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer! Bewertung: 12/12
Artistprofil von Die Ärzte

DÄ im Jahre 2001!

Einfach nur beeindruckend wie eine Band seit mittlerweile fast 20 Jahren einfach nicht unlustig, langweilig und unkreativ werden will. Das dem so ist, beweisen Die Ärzte mit ihrem 2000er Kuschelpunk-Album, dessen Verpackung sicher aus der Masse hervorsticht und die Sonderstellung, die DIE ÄRZTE mittlerweile in der deutschen Musik einnehmen deutlich hervorhebt. Gehen wir doch einfach Song für Song durch.

Wie es geht - der Opener und gleichzeitig erste Single beeindruckt durch eine alles in dem Schatten stellende Gitarre und einem Gute-Laune-Huhu, was es zu einem perfeketen Party-Song macht, der Text handelt von der Unfähigkeit eines Mannes seiner Geliebten seine wahren Gefühle zu offenbaren. Defintiv einer der Knüller der Platte.

Geld - Bela B. erklärt worauf es im Leben ankommt und daß er selbst leider auch nur ein Opfer des Systems ist und experimentiert kurz mit Funk-Sound bevor es dann doch wieder punkig wird. Wunderbar ist der Schlußpart mit den Chören von Bela bzw. Farin und Rod.

Gib mir Zeit - Poppunk aus dem Hause Farin U. mit einem sehr direkten Text und ständig wechselnden Rhythmus, der dem Song mächtig Power gibt.

Dir - Meiner Meinung nach einer der schwächeren Songs auf der Platte, eine Ballade von Bela B. gesungen mit Diane Weigmann von den Lemonbabies. Ein simpler Pop-Song, der mir einfach nicht ins Ohr gehen will.

Mondo Bondage - nicht nur cooler Titel, sondern auch cooles Lied, wunderbare RNR-Musik mit S/M-Text von Bela B.. Sehr schöne harmonie zwischen dem Gitarrenlauf, dem zornigen Bass und dem treibende Hintergrundgesang von Bela B.

Onprangering - Samba made in Germany, mit einem Text und Thema, daß sicherlich jeden so betroffen macht, daß man vor Lachen auf dem Boden liegen möchte. Musikalisch genial, textlich unerhört.

Leichenhalle - Rammstein vs. die Schlümpfe, DÄ schaffen auch dies, zu zornigem Gothic-Gewand gesellt sich ebensolcher Text, der dann aber Besuch von ein paar blauen Kobolden aus Schlumphausen bekommt, die jegliche Erwartung ab adsurdum führen. Wer da nicht lacht ist selber schuld.

Der Optimst - ein weiterer Knüller der Platte von Mr. Felsenheimer. Ein Punksong der in 2 1/2-Minuten sämtliche Themen wie Liebe, Korruption und soziale Mißstände anprangert, aber alles wird gut und schön - Bela B. - Schlagzeuggott.

Alles so einfach - "wenn das mal alles so einfach wär, dann hätt ich keine Probleme mehr" - ein Satz, der viel sagt und Hauptbestandteil des Songs ist, der in sanften Ska-Beat daherkommt und nie wurde über Bullen und Gesetze so charmant gesungen.

N 48.3 - Rockabilly on the Rocks mit einem Text der die Dauergeilheit des männlichen Geschlechts beschreibt und einfach nur köstlich ist. Ein weiteres Highlight.

Manchmal haben Frauen... - ja, die Welt ist schlecht und Bela B. führt dies uns wieder einmal vor Augen. Ein Ballade von Mann zu Frau mit relaxter Melodie in knisternder Atmosphäre und nicht umsonst hoch in den Charts.

Las Vegas - Wieder Rockabilly, diesmal Veags-Style, Belas Liebeserklärung an seine Glitzermetropole.

Yoko Ono - Dreißig Sekunden reichen vollkommen aus um Farins Haß auf Yoko Ono zum Ausdruck zu bringen. Thats Punkrock.

Rock Rendezvous - DÄ zügellos und ungehemmt. Eine weitere Liebeserklärung von Bela B., diesmal an seinen Gitarrengott Farin U. und auch an Rod, nie klang "ficken" so romantisch und herzzerreißend. Ein Highlight der Platte.

Baby - ein weiterer Song, den ich zu den wenig schwachen zählen würde, textlich sehr witzig, jedoch zu kompliziert.

Kann es sein? - ein schönes Liebeslied aus dem Hause Gonzalez in Worte verpackt durch Bela B.

Ein Sommer nur für mich - ein schöner Song zu einem unschönen Thema, daß Beach Boys-Chöre sehr krass zum Anti-nazi-Text stehen? Schöne Verarsche auf stupide Diskussionen zum Thema Rechtradikalität.

Rockn`Roll-Übermensch - Bela B. mit seinem Vermächtnis, ein Übersong und mein Favorit, wenn man so einen Text schreiben kann ist man ein Rockstar.

Herrliche Jahre - alles eitel Sonnenschein, nur du brauchst ständig nen Regenschirm, ein hartes Schicksal - tabulos aufgegriffen, dazu feiste Partymusik zu einem sehr asymetrisch verlaufenden Text runden eine geile Platte ab, die noch mehr Lust auf den Nachfolger macht.

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