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01.09.2001 Autor: TOMMORELLO

Smashing Pumpkins Machina/the machines of god

Eines gleich vorweg: Das neue und letzte offizielle Album der Smashing Pumpkins ist ebenso ein glockenklares Meisterwerk, wie es zuvor Mellon Collie... (94) und Adore (98) waren. Es beweist endgültig Billy Corgan als einen der grössten Songwriter unserer Zeit. Machina und seine 2 Vorgängeralben bilden wohl 3 der wichtigsten Stücke Rockmusik seit dem Ende Nirvanas.
Mit Machina/ The Machines of God definieren sich die Smashing Pumpkins wiederum völlig neu, und gehen einen weiteren Schritt, der mindestens genauso gross ist wie der von Mellon Collie... zu Adore. Bereits das Artwork und die Texte des Albums zeigen die neue Richtung: Weg von den direkten und puren Emotionen, die Adore transportierte, hin zu geheimnissvollen, kryptischen, fast religiös wirkenden Verschlüsselungen. Damit würde Mr.Corgan sich wohl endgültig von der Welt distanzieren, und auf totales Unverständniss stoßen, wäre dass ganze nicht in grossartige Musik verpackt. Zurück zum grossen RockStatement, allerdings immer die elektronischen Erfahrungen von Adore beinhaltend, stellen diese 15 Songs etwas völlig neues und eigenes dar, dass aber trotzdem zweifelsfrei als Smashing Pumpkins identifiziert werden kann.
Und bereits der Opener und vielleicht straightester in-dein-Ohr Song der Platte ist ein riesengrosses RockMonster: Ein megafettes Sägezahn-Riff, fast schon Industrialartiger Anfang, bis dann im Refrain Billy eine wunderschöne Melodie singt, die sich nahtlos einfügt. Sogar eine Sprechgesang-Passage ist enthalten, die echten Fans die Tränen in die Augen treiben dürfte. Wow. Danach kommt die im Gegensatz zu Everlasting Gaze, winzig klein wirkende, aber trotzdem wunderschöne Pop-Ballade Raindrops&Sunshowers, die man sofort ins Herz schliesst. Die erste Single Stand inside your Love, der Song, der thematisch noch am ehesten aus Adore gepasst hätte, entwickelt sofort seine eigene Dynamik. Stakkatto-Drums und sehr anders gespielte Gitarren, die neue Gesangs-Betonung seiner Vocals machen uns sofort klar, dass das hier etwas total neues von den Pumpkins ist. Heavy Metal Machine ist keine Parodie, sondern zeigt uns den Metal, wie Corgan ihn versteht: Langsam und schleppend mit fetten Gitarrenriffs. Die zweite Single TryTryTry ist eine bezaubernde Singalong Ballade, die fast an Thirty-Three erinnert, und immer wieder begeistert. Erwähnenswert wären noch Age of Innocence, das als der typische Machina-Song gelten könnte und das wohl ungewöhnlichste Stück was es von den Pumpkins überhaupt zu hören gab: Die sperrige Soundcollage Glass and the Ghost Children. Ein Song, der fast 10 Minuten seine düstere und verwirrende Wirkung entfacht und eine wunderschöne Pianomelodie enthält, unter die ein verzweifeltes, philosophisches Gespräch zwischen zwei Menschen am Telefon gelegt wurde.
Fazit: Obwohl die Smashing Pumpkins zurückgehen und den Fans wieder die RockMusik geben, die diese verlangen, gehen sie auf der anderen Seite textlich und thematisch noch schwierigere und anspruchsvollere Wege als auf Adore. Das hier ist eigentlich kein EasyListening (nun, bis auf den genialen und verführerischen ersten Song, der den Hörer wohl in die Welt der Platte locken soll), und obwohl die Songs alle sehr unterschiedlich sind, sind sie doch eindeutig aus einem einzigen Guss. Beim genauen Zuhören entfalten sich geniale Songstrukturen. Billy Corgan wird damit möglicherweise auf grosses Kopfschütteln und Unverständniss stossen, aber er will es ja so. Er ist der Künstler und der Schöpfer dieser zweifellos grossartigen Welt aus 15 Werken und wir sind diejenigen, die das Rätsel lösen und die Songs verstehen sollen. Genial.

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