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18.04.2022 Autor: Jack Crabb

Audio88 - Sternzeichen Hass

Was zwischen all dem Hass, den Audio88 in schöner Regelmäßigkeit sowohl allein als auch mit seinem langjährigen Partner in Crime Yassin über Wutbürger, minderbegabte Kollegen, nervige Begegnungen am Merchstand nach einem Konzert oder sogar Menschen, die über Kayar Yanar lachen können kippt und immer ein wenig untergeht ist der Humor des Rappers. Auf „Sternzeichen Hass“ stellt er genau das wieder unter Beweis. „Immer heißt es irgendwo, deutscher Rap sei homophob. In den Texten ja, doch in den Videos ist das doch nicht so. Da trägt man gerne Leder und da ölt man sich auch ein. Als müsst' man gleich in' Ofen, doch ist irgendein' Massaker 3“. Der zitierte Track heißt „Trottel“ und bringt ohne große Umschweife, dafür aber mit amüsantem Kopfkino Audio88s Ablehnung gegenüber Sprechgesangsartisten der Sorte „dicker Bizepsumfang/ große Waffensammlung“ zum Ausdruck. Für Audio88 ist das verbale Abstrafen anderer Rapper am Ende aber auch nur ein netter, kreativer Zeitvertreib. Sein eigentliches Problem auf „Sternzeichen Hass“ ist, wie immer, der Mensch im Allgemeinen.

„Dosenpfirsiche“ ist so eine dieser typischen Tiraden, bei der man sich immer fragt, was Audio88 eigentlich nicht alles schlimm findet. Einen inhaltlichen roten Faden fühlt man eher als dass man ihn erkennt, weil der Rapper lieber um die Ecke gedachte Assoziationsketten aufbaut und in alle Richtungen gleichzeitig austeilt. „Treibjagd“ ist da schon wesentlich direkter. Zusammen mit Morlock Dilemma werden besorgte Bürger aus den Reihenhaussiedlungen der Republik zusammengepfercht, um auf sie mit der Battle-Keule drauf zu hauen. Absolut unnachahmlich und ausschweifend, schon fast dadaistisch quasselt sich Doz9 in „Lied vom Tod auf dem Theremin“ durch seine Strophe, was schon fast für heitere Stimmung sorgen muss, wenn Sample-Sammler Torky Tork ein derart apokalyptisches Stimmungsbild zeichnet. Als Fan von Creutzfeld & Jakob- und Megaloh hatte sich Audio88 auch schon mal geoutet. Auf „Selfies“ führt er den „Black Supermann“ aus Berlin und Lakmann auf einen Track zusammen. Besser geht’s eigentlich nicht. Laut eigener Aussage ist die EP Audio88s Lieblingsformat. Miese Laune kann er wohl nur mit Yassin auf Albumlänge verbreiten. Und die sechs Tracks von „Sternzeichen Hasss“ reichen letzten Endes auch, um sein eigenes Leben und Handeln mal gründlich zu überdenken. Geschmackssicherer und unterhaltsamer klangen Audio88s Soloausflüge noch nie.

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