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27.03.2022 Autor: Jack Crabb

Emma Ruth Rundle - Engine Of Hell

Was folgt auf knallbunten Gitarrenrock („On Dark Horses“) und der Zusammenarbeit „May Our Chambers Be Full“ mit den Sludge Metallern von Thou? Richtig, ein puristisches Singer-Songwriter Album, ganz allein und nur mit geringstem Produktionsaufwand aufgenommen.

All jenen, die vor dem ersten Durchlauf von “Engine of Hell” tatsächlich noch so etwas wie gute Laune verspüren sollten, reicht bereits der erste Song „Return“ um wieder auf den Boden der Tatsachen zu landen. Ein echter Downer und ein Vollbad in Schwermut. Dem Kerrang-Magazin gegenüber erklärte Rundle „Return“ und dessen ästhetischen Clip wie folgt: „Ich bin keine Schriftstellerin. Ich mache Musik und versuche Dinge auszudrücken, die ich mit Worten nicht vermitteln kann. Ich habe Ballett studiert und wie man sich mit Bewegung ausdrücken kann, was ich auch für das Video angewendet habe. Während der Fertigstellung von „Engine of Hell“ habe ich mich immer weiter weg von Musik in Richtung Tanz, Malerei und Ideen für Videos und Filme bewegt. „Return“ ist das Ergebnis dieser Arbeit.“

Anfang 2020 zog sich Rundle nach einer 5-monatigen Tour in das ländliche Wales zurück, um sich mehr Zeit für sich zu nehmen und um neue Songs zu schreiben. Ebenso wollte sie die Zeit zur Erholung nutzen. Die permanent laufende Maschinerie aus Unterwegssein und Auftreten sowie Rundles wachsender Alkohol- und Drogenkonsum forderten ihren Preis. Dann kam die Pandemie und die dadurch bedingte Isolation ließ Rundle in ein Loch fallen. Ein gut einwöchiger Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik war der Folge. „Engine Of Hell“, so die Musikerin, repräsentiert eine Phase der Veränderung, die immer noch anhält.

Man macht Rundles neuem Album Komplimente, wenn man seinen Sound als hässlich und als „bis auf die Knochen abgenagt“ beschreibt. Denn genauso fühlt sich „Engine Of Hell“ an. Sich so nackt und verletzlich in seiner Musik zu zeigen zeugt von großem Selbstbewusstsein. Und es zeigt ebenfalls, was Emma Ruth Rundle für eine furchtlose und unberechenbare Künstlerin ist, die mit diesem Album manche Leute vor den Kopf stoßen wird. Zu zerrissenen Akkustikgitarren erzählt Rundle in “Blooms Of Oblivion” vom Kampf geliebter Menschen gegen deren Sucht-Probleme- oder im Trauer-Walzer „Body“ von Todesfällen in der Familie. Kurze Seufzer und unsaubere Akkordgriffe werden bewusst nicht herausgeschnitten oder retuschiert. Vergleiche mit den „American Recordings“ von Johnny Cash drängen sich auf, aber auch Beth Gibbons` majestätisches, in sich selbst versunkenes Soloalbum „Out Of Season“ oder die frühe Tori Amos dürfen gerne als Referenz genannt werden. „Engine Of Hell“ wartet mit nur 8 Songs auf, läuft aber gut 40 Minuten. Eine kleine Dosis Bedrückung mit großer, heilender Wirkung.

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