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10.03.2021 Autor: Jack Crabb

Kim Gordon - No Home Record

Nach dem schmerzhaften Split der New Yorker Noise-Legende konnten die Soloprojekte von Thursten Moore und Lee Ranaldo nur bedingt über diesen Verlust hinwegtrösten. Das expressionistische Erstlingswerk von Kim Gordon ist ein Versuch die Lücke zu kitten und Balsam für die Fanseele.

Schon Sonic Youth waren eine Band, die trotz ihrer verqueren Musik gerne die Nähe zur Popwelt suchte. Seien es Videodrehs mit Macaulay Culkin und Chloe Sevigny oder Cameo-Auftritte bei den Gilmore Girls. Kim Gordon traf bereits vor den Aufnahmen von „No Home Record“ auf Justin Raisen. Der wollte sie für ein eigenes Projekt als Sängerin gewinnen. Seine Arbeiten führten ihn mit Kylie Minogue, Lizzo oder Sharon Van Etten zusammen. Das sein Name nun unter Gordons Debüt-Album steht, irritiert ein wenig, denn von einem Pop-Album braucht man hier getrost nicht sprechen.

Es gibt immerhin zwei Songs, die an alte Zeiten erinnern. Das völlig zerschossene „Air BnB“, in dem sich Gorden an jenem Online-Anbieter für Wohnunterkünfte abarbeitet, übertreibt einerseits mit seinen stotternden Gitarrenfeedbacks und nervenden Störattacken, reißt anderseits im Refrain umso mehr mit. „Earthquake“ führt den Zuhörer noch einmal für gut vier Minuten zurück zu den Anfängen in der Lower Eastside von New York. Das war es dann aber auch schon. Sonst werden auf „No Home Record“ glücklicherweise keine weiteren nostalgischen Gefühle bedient. Wem die letzten Alben von Gordon`s Ex-Band zu vorhersehbar klangen, zu sehr in ihrer Komfortzone aus jahrelanger Routine versauerten, der erlebt hier so etwas wie die Rückkehr zu jener nonkonformistischen Haltung, für die man die Kunst dieser Frau immer bewundert hatte. Endlich macht sie wieder Musik, die weh tut.

Die bereits vorab veröffentlichte Single „Sketchartist“ eröffnet „No Home Record“ entsprechend kompromisslos: brutale Industrial-Beats hauen Alles kurz und klein. „Cookie Butter“ stresst erst minutenlang mit nervösen, repetitiven Drum-Loops und dröhnenden Klub-Bässen, ehe dissonante Gitarren in der zweiten Hälfte aufdrehen und den Song in schon fast kathartische Gefilde zerren. Gordon bedient sich aber auch am Zeitgeist. Wie sie sich in „Paprika Pony“ von den Rap-Kollegen deren meist fantasielosen Trap-Hi-Hat`s leiht, ein bisschen Zucker drauf rieseln lässt und ihren nach wie vor aufreizenden Sprechgesang zum Besten gibt, beweist das wieder einmal ihr Interesse an gegenwärtiger Popkultur und was für eine vorwärts gerichtete Künstlerin sie ist.

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