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22.07.2020 Autor: Jack Crabb

Run The Jewels - RTJ4

Die besten TV-Serien erkennt man daran, dass deren Drehbücher von nur einem Autoren geschrieben worden sind. Und auch die Diskographie von El-P und Killer Mike gleicht mittlerweile einem richtig spannenden Plot mit allem, was dazugehört. Mit „RTJ4“ geht die Geschichte von Run The Jewels nun schon in die vierte Staffel und es wird wieder einmal deutlich, warum die beiden MCs eines der derzeit komplettesten und wichtigsten Rap-Duos der Gegenwart sind.

Würde man also die sieben Jahre, die seit der Gründung von Run The Jewels ins Land gezogen sind, als eine mehrteilige Fernsehserie verfilmen, dann wäre das Debüt die bereits Aufmerksamkeit erregende und vielversprechende Pilotstaffel, der zweite Teil das reifere und größer gedachte Leinwand-Spektakel mit allem Drum und Dran- und der dritte Streich die immerhin routinierte, auf hohem Niveau stagnierende Fortsetzung gewesen. Fast will man meinen, El-P und Killer Mike hätten schon alles mit ihren Tracks gesagt. Und auch wenn „RTJ4“ rein formal kaum Überraschungen bietet, so lässt es ebenso wenig Wünsche offen. Run The Jewels verstehen nach wie vor, wie sie die Spannung hoch halten können.

Physisch erscheint das vierte Album der Amerikaner erst im September. Da sie sich nicht lumpen lassen und ihre Spendierhosen anbehalten, gab es die elf neuen Tracks schon Anfang Juni für lau als Download. Noch selbsterklärender wird diese Geste dann, wenn ihr wütender Protest-Rap als Soundtrack für wieder aufflammende, antirassistische Demonstrationen rund um den ganzen Erdball herhält.

Genügend Munition in Form von tödlichen Rap-Flows steht also auch bei „RTJ4“ wieder bereit. El-P, der wie bei bisher allen Run The Jewels-Alben die Produktion zur Chefsache erklärt, schmiedet die Beats, die den Nacken massieren und das Tanzbein zum zappeln bringen. Er versteht es wie kein Anderer, der „Goldenen Ära“ der 80er- und 90er Tribut zu zollen und gleichzeitig in jeder Sekunde modern zu klingen. Kein Wunder, dass die Feature-Gäste, die diesmal so vielfältig wie noch nie sind, aus den unterschiedlichsten Generation stammen und mittlerweile bei den beiden Rappern Schlange stehen.

Das dritte Zack de la Rocha-Feature in Serie hätte es da vielleicht nicht unbedingt gebraucht, dafür erregen die Beiträge u.a. von Pharell Williams in „Ju$t“ und 2 Chainz in „Out Of Sight“ deutlich mehr Aufmerksamkeit. DJ Premier lässt mit ein paar Scrachtes in „Ooh La La“ Grüße da und Queens Of The Stone Age-Frontmann Josh Homme singt Falsett in „Pull The Pin“, dem bis dato ungewöhnlichsten Song in der Geschichte von Run The Jewels , in dessen Hook die Blues- und Gospelsängerin Mavis Staples mit ihrer Stimme jede noch so fette Goldkette zum schmelzen bringt.

Auch wenn Run The Jewels den Überraschungseffekt ihrer ersten beiden Alben nicht mehr ganz wiederholen können, ist „RTJ4“ mal wieder genau das Album geworden, dass man von El-P und Killer Mike erwarten durfte. Ein wenig reicher an Experimenten und mit endlich wieder schneller zündenden Hits ist ihnen ihr zweitbestes Werk gelungen.

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