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08.02.2020 Autor: musikmanie

Nathan Gray - Working Title

Das zweite Soloalbum von Nathan Gray überzeugt mit deutlich lauteren Tönen als Feral Hymnes. Mit einer vollen Bandbesetzung ist Working Title gestaltet. Außerdem sagt Nathan Gray, dass dieses Album das erste ist, was 100 % aus ihm kommt. Man kennt schon weitere Soloprojekte und auch das Erste Album Feral Hymnes war ein Solowerk, jedoch auch gespickt mit den Einflüssen anderer. Feral Hymnes ist ein gutes Album, welches jedoch mit seiner Tiefe streckenweise schwer zu tragen hat. Einige Lieder, darunter I'm a Lot, Never Alone, The Fall, und Working Title haben den Fokus auf die Worte und den Text gelegt. Darunter leidet die Dynamik der Songs, sie sind erzählend und tragen sich so dahin. Kein spannender Aufbau, kein spannendes Arrangement. Gerade bei dem Letzt genannten erwartet man durch das Feater mit Chuck Ragan ein Brett, jedoch ist es ein solides Lied, eingängig, aber kein Ohrwurm, sympatisch aber nicht erfrischend. Dem entgegen stehen einzelne Glanzstücke, die wie Leuchttürme aus dem Album herausstechen. In my Defense ist gespickt mit Power, ausbalanciert und positiv packend. Das Lied ist auch so grandios, weil man das bekommt, was man von einem Nathan Gray Song erwartet. Energie, Kraft und das ohne laut zu sein. Es hat das, was Fans an seiner Stimme so lieben in den Fokus gerückt und die Worte sprudeln nur so aus ihm heraus. "Because freedom is the mercy, you give to yourself." Ähnlich starke Worte finden sich in der zweiten Single Refrain welche die andere Seite zeigt, die Nathan Gray wie kaum ein anderer beherrscht: Die Balladen. "You know all the Battles I can't win." In den meisten Texten wird der Kampf deutlich, den der Musiker mit sich selbst ausfechtet/ ausgefochten hat. Das zweite wirklich perfekte Lied ist No Way: Hier wird die fülle der Bandbesetzung ausgeschöpft, die aufsteigende Melodielinie und die Kombination aus Text und Stimme steht im Fokus, während das Ende leider etwas ausläuft und fast etwas dahin plätschert ist dieses Lied kraftvoll, feinfühlig, fast ein guter Therapeut für den besseren Gedanken. Das Lied Still Here endet mit den wunderbaren Worten "I'm sill here." Gerade dieser Song hat jedoch eine beißende Klaviermelodie. Man fragt sich kurz ob es wirklich so klingen soll, wie es klingt, das das Lied dadurch einfach nicht rund wirkt. Dem Album steht die volle Bandbesetzung auch nicht in allen Teilen. Auf der einen Gitarre liegt in vielen Songs (The Markings und Hold) ein Effekt, der unstimmig zu den Liedern wirkt, jedoch konstant durch das Album gezogen wird. Dem Einen wird es als erfrischender Bruch auffallen, dem Anderen als unpassender, etwas zu starker, zu lauter Effekt. Das Album hat keinen schlechten Titel und auf die drei Bausteine, die den Sound von Nathan Gray prägen kann man sich verlassen: Die Balladen, die Kraft der Stimme und die emotionale Tiefe der Texte. Ein Stimmig, gutes Album.

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