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14.11.2019 Autor: Jack Crabb

Mädness - OG

Mädness - OG Bewertung: 7/12

Spätestens auf dem epochalem „Normaler Samt“ von Audio88 & Yassin hat sich die hessische Dreiecksbeziehung Yassin-Mädness-Döll endgültig gefunden. 2019 wollen alle Drei auch solo erfolgreich durchstarten. Nach der modernen Verschmelzung von Pop und Rap auf der nächsten Evolutionsstufe (Yassin mit „Ypsilon“) und dem kathartischem All-In-Einstand (Döll mit „Nie oder jetzt“) macht Mädness mit „OG“ die Trilogie nun komplett.

Und dabei ist „OG“ überhaupt kein Debütalbum. „Als hätt ich nix getan 2“ sollte 2010 der erste Schlussstrich auf Albumlänge sein. Vier Jahre später tauchte er überraschend mit der mittlerweile zum Underground-Kassiker gereiften EP „Maggo“ wieder auf. Weitere drei Jahre sollten vergehen, ehe Mädness und Döll mit ihrem „Blut ist dicker als Wasser“-Album „Ich und mein Bruder“ ein weiterer persönlicher Meilenstein gelang.

Zog der kleine Bruder mit seinem beinahe selbsttherapeutischen Rap zu druckvollen Neo-Boom Bap-Beats den Zuhörer sofort in seinen Bann, braucht man mit „OG“ ein paar Durchläufe mehr zum Warmwerden. Nicht nur weil das Soundgewand ein neues ist, sondern auch weil der Mädness, der uns uns hier begegnet, ein ganz Anderer ist.

Viel hat er zu erzählen. Und es sprudelt nur so aus ihm heraus. Thematisch umreißt Mädness vor allem die Themen Freundschaft, Herkunft und seinen endgültigen Durchbruch im Rapgame. Das ist alles sehr ruhig und ausführlich erzählt und man merkt: Marco Döll ist bei sich angekommen. Was man auf „OG“ vermisst, ist die ätzender Ironie, mit der er früher noch seinen Struggle als bester aller unterschätzten MC`s in Deutschland in teils wahnwitzigen Battlerap verpackte. Und auch wenn bei ihm manchmal noch das Technik-Genie durchblitzt, ist die alte Bissigkeit ein wenig einer neuen Behaglichkeit gewichen.

Musikalisch gönnt sich „OG“ viel Abwechslung, bietet aber zu wenig Überraschendes. Das von vorne bis hinten kohärent durch produzierte Album enthält modernes, progressives Sounddesign („Mässisch“, „Endlich neue Freunde“) oder angestaubte West Coast-Anleihen („Arbeit/ Urlaub“, „Was soll ich dir schon erzählen“). Das titelgebende und witzige „OG“ ist der heimliche Hit des Albums, fällt hier aber leider komplett hinten runter. Unerwartet aber unspektakulär ist auch das Marteria-Feature in „Kein Ort“.

Ein weiter Weg führte Mädness zu diesem vierten Album. Und wenn man sich genau umschaut, stellt man fest, dass er dieses Jahr in guter Gesellschaft war. Denn auch andere Rap-Kollegen im gleichen Alter haben ganz ähnliche Alben vorgelegt. Grown-Man Rap konnte dem deutschsprachigem Hip Hop 2019 tatsächlich etwas Neues abgewinnen. Aber nicht unbedingt wegen des Hessen, der auf „OG“ seinem Ruf als Ausnahme-Rapper ein wenig hinterherhinkt.

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