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14.11.2019 Autor: Jack Crabb

Ilgen-Nur - Power Nap

Wenn man einer erst kürzlich veröffentlichten Studie Glauben schenken darf, dann ist Schlaf der wohl größte Glücklichmacher des Menschen. Ilgen-Nur Borali weiß das auch. Zum Einnicken ist „Power Nap“ aber definitiv nicht, denn dafür kicken die Songs ihres Debüts einfach zu sehr.

Mit ihrer Debüt-EP „No Emotions“ machte die 1996 geborene Borali zum ersten Mal von sich reden. Schon im darauf veröffentlichten Song „Cool“ lauteten die ersten Zeilen: „I go to sleep in the evening. And I wake up in the afternoon. And just because I'm twenty. Doesn't mean I know what to do.“ Der für sie von der Musikpresse ausgewählte Titel „Slacker-Queen“ kommt also nicht von ungefähr.

Für ihr erstes Album sucht sie erneut den Schulterschluss mit Max Rieger, der „Power Nap“ einen deutlich satteren Sound-Anstrich verpasst. Für die aus der Nähe von Stuttgart stammende Musikerin mit der voluminösen Stimme ein maßgeschneidertes Soundgewand.

Selbst wenn man nicht den dazugehörigen Clip gesehen haben sollte, meißeln im flotten „In My Head“ Schichten aus Gitarrenspuren in binnen Minuten eine pulsierende Großstadtkulisse zurecht. „Soft Chair“ oder „TV“ sind zwei schwebende Shoegazer, wobei erst genannter Song gegen Ende mit einem Saxofonsolo am Ende angenehm gebrochen wird und „Deep Thougts“ ist die obligatorische, deprimierende Ballade mit einem Piano als sanftes Herzklopfen zum Abschluss.

Auch wenn die Referenzen von „Power Nap“ überall im Feld des 90er Indierocks verstreut herumliegen, strahlt Borali nicht unbedingt die Rotzigkeit einer jungen Courtney Love aus. Dafür ging man bei der Produktion mit dem Schmirgelpapier zu gründlich über die Song-Oberfläche. Was darunter umso mehr zum Vorschein kommt, sind unwiderstehliche Indierock-Ohrwürmer und nachdenkliche Innenansichten einer Anfang-Zwnazigjährigen, so wie in „Clean Sheets“: „I made my bed. I cleaned the flat. I brushed my hair. I do not care. And the light feels warm. On the back of my skin. And the sheets are clean. And the sounds of the streets. Tell me how you feel. Feel something real.“

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