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25.09.2019 Autor: Jack Crabb

The National - I Am Easy To Find

20 Jahre nach ihrer Gründung kommt die derzeit weltbeste Indierockband immer noch nicht zur Ruhe und bringt ihr nun schon achtes Album heraus. Dafür haben sich The National diesmal sogar etwas ganz besonderes einfallen lassen.



Bereits kurz nach dem Erscheinen von „Sleep Well Beast“ im September 2017 gab die Band bekannt an liegen gebliebenen Songs zu arbeiten. Den Stein endgültig ins Rollen brachte aber erst Regisseur Mike Mills mit der Idee einen Kurzfilm drehen zu wollen. In dem knapp 30-minütigen Clip mimt die schwedische Schauspielerin Alicia Vikander die Lebensphasen einer Frau von deren Geburt bis zum Tod. Den Soundtrack zu diesem intimen Kammerspiel liefern die Songs von „Iam Easy To Find“.

Das es die Band mit ihrem neuem Album ernst meint und keine mühsam zusammen gekratzte Resteverwertung vorlegt, zeigt auch die stattliche Menge an Titeln. Ganze 16 Stück versammeln sich auf der Platte. So viele wie noch nie bei The National.

 Es gibt der Band wohlgesonnene Menschen, die ihr seit dem endgültigen Durchbruch mit „High Violet“ keine echte Weiterentwicklung mehr attestieren wollen. Bei eitlen Künstlerpersönlichkeiten, wie dem Fünfer aus den USA, natürlich reine Ansichtssache. Und da man sich als moderne Rockband unserer Zeit, die musikalisch nicht stehen bleiben will, früher oder später in Kleinigkeiten verliert, steht „Iam Easy To Find“ trotzdem wieder ganz in der Tradition der vergangenen Werke. Und wer hat schon ernsthaft daran etwas auszusetzen?



Seien es die spärliche Elektronik von „Sleep Well Beast“, die bleischweren Balladen von „Trouble Will Find Me“ oder die beinah klinische Reinheit von „High Violet“, zum ersten Mal klingen The National nach der Quersumme ihrer eigen Diskographie. Zumindest nach der Jüngeren. Aber die Hindichte ihres Klassikers „Boxer“ erreichen sie wohl nie wieder. Wenn sich die Indierocker heutzutage noch künstlerische Freiheiten nehmen (von der Zusammenarbeit mit Mills mal abgesehen), dann eher die, das sie sich acht verschiedene Gastsängerinnen ins Studio holen. Unter anderem stehen Sharon Van Etten, Mina Tindle (Bryce Dessners Ehefrau) oder Gail Ann Dorsey an Matt Berninges Seite.



Ansonsten gibt es nichts Neues aus dem The National-Lager zu berichten. Was auch überhaupt nicht schlimm ist. Aus dem zerzaustem, avantgardistischen Gitarren-Wust der Dessner-Brüder werden nun mal keine breitbeinigen Sieben-Saiten-Poser mehr. Ebenso wenig wird in diesem Leben aus Berninger noch ein echter Rocksänger. Genau diese angenehme Borniertheit lässt die Band immer noch so eigenwillig wie nur möglich und so konsensfähig wie gerade nötig erscheinen. So kann es mit The National gerne noch ewig weitergehen.

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