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17.09.2019 Autor: Jack Crabb

Jungstötter - Love is

Jungstötter - Love is Bewertung: 8/12

Fabian Altstötter versucht sich solo von seiner alten Band zu lösen. Dafür nennt er sich ab sofort Jungstötter und veröffentlicht ein Debütalbum, auf dem er so selbstbewusst Roxy Music und Nick Cave zitiert, als hätte es diese nie gegeben.

Die Pfalz scheint eine Heimat für nerdige Pop-Querdenker zu sein. 2016 krachte das Debüt des Herxheimers Max Gruber alias Drangsal in die hiesige Poplandschaft und spaltete mit seiner retrospektiven Wave- und Postpunkästhetik die Gemüter. Altstötter, der aus dem nah gelegenem Landau stammt, klaut auf „Love Is“ zwar nicht so dreist, wie sein gefallsüchtiger Kumpel Gruber, eine Portion ironiefreie Schöngeistigkeit darf auch in seiner Musik nicht fehlen.

Seine etwas steifen Brian Ferry-Imitationen drängen sich oft zu sehr in den Vordergrund und die Produktion klingt anfangs noch nach Reißbrett. Ganz so, als wäre bei den Bad Seeds seit „No More Shall We Part“ nichts mehr passiert. Aber sind wir mal ehrlich: ein größeres Kompliment kann man dem Musiker Altstötter mit so einer Kritik eigentlich kaum machen.

Denn in Jungstötter steckt trotz all der Vergleiche, ein talentierter Songwriter, der jetzt, nach dem Ende von Sizarr, zu sich gefunden hat. Dabei griff ihm Max Rieger von Die Nerven unter die Arme, der schon das letzte Drangsal-Album „Zores“ co-produzierte und nun auch bei Altstötters Neustart den Regisseur gibt.

Die sonst eher konventionell und schnörkellos produzierten Songs von „Love Is“ schaffen es immer wieder aus ihrem beengtem Korsett auszubrechen. „Silence“ ist ein herrlich trübseliger Song. Die hypnotischen Drums lassen einen noch wenige Sekunden in Unsicherheit schweben, bis theatralischer Gesang und klagende Klavier-Mollakkorde ihre volle Wucht entfalten. Die sommerliche Brise, die im Titelstück weht, verwandelt sich in einen noisigen Industrialschauer und bei „Sally Ran“, mit seinem hymnischen Chören der vielleicht größte Hit-Aspirant, fragt man sich, warum der Pfälzer unter den vielen Auskopplungen nicht auch diesen Song mit dazu gepackt hat, statt das ziellose „I Wonder Why“.

Zum ersten Mal sei er wirklich zufrieden mit seiner Musik, gibt der ehemalige Sänger von Sizarr zu. Und das, obwohl er mit eben jener Band zwei von der Kritik gefeierte Alben veröffentlicht hat. „Love Is“ mag viel Angriffsfläche bieten, ist aber ein umso mutigerer Neubeginn. Wer sich dem Solo-Erstling von Jungstötter ohne Scheuklappen nähert, der wird mit der Zeit diesen originellen Retro-Ausflug ins Artrock-Universum zu schätzen lernen.

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