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18.04.2019 Autor: animalgod

Die Heiterkeit - Was passiert ist

Die Heiterkeit - Was passiert ist Bewertung: 10/12

Stella Sommer ist Die Heiterkeit. Das war eigentlich schon immer so. Aber vielleicht noch nie so offenkundig, wie auf diesem Album. Mit „Was passiert ist“ schlägt sich die Hamburgerin mal wieder selbst und sagt ganz nebenbei dem starren Konstrukt „Band“ endgültig adè. Die Heiterkeit sind das immer noch bestgehütete Geheimnis im deutschen Pop. Leider. Obwohl sie spätestens mit ihrem letzten Doppelalbum „Pop & Tod I&II“ zu Kritikerlieblingen avancierten, bleiben sie vom Mainstream weiterhin unbeachtet. Ob der Zeitgeist daran schuld ist, dem die Ohren von synthetisch blubbernder, Tonhöhen korrigierter Popmusik langsam abfallen müssten? Nichts, mit dem sich Sommer je beschäftigen würde. Ihr anfänglicher, stark nach Heldenverehrung der „Hamburger Schule“ klingender Indiepop erschien damals schon circa zehn Jahre zu spät auf der Bildfläche. Seitdem haben Die Heiterkeit eine beachtliche Entwicklung genommen. Album Nummer Vier ist der nächste Meilenstein in der Verwirklichung Sommers musikalischer Vision. Mehr denn je konzentriert sie sich auf das ausgewogene Verhältnis zwischen Form und Inhalt in ihren Songs und verleiht ihnen damit endlich diese Art von Persönlichkeit, welche deutschsprachiger Gitarrenmusik viel zu oft abgeht. „Was passiert ist“ lässt die biederen Grundmauern des heimischen Pop erschüttern, genau so wie es „Fake“ von Die Nerven oder „Die Unsichtbaren“ von Messer getan haben. „Was passiert ist, ist nicht komisch. Es ist lachhaft, unironisch“ singt Sommer im treibendem, feierlichen Titelstück, welches wie ein gleißender Lichtstrahl am Himmel vorbei zieht. „Im Fluss“ ist eine anmutige und mit wenigen Klavierakkorden verzierte Ballade, welche sich allein schon dank Sommers Gesang zu einer wahren Wonne steigert und viel zu schnell vorbei geht. Ihre Lust an pathetischen Metaphern und an kryptischen Slogans schlägt sich in dick aufgetragenen, aufstampfenden Hymnen wie „Das Wort“, „Dieses Mädchen“ oder „Die Linie im Sand“ nieder. Moses Schneider, der Sommer für die Aufnahmen zu „Was passiert ist“ in seinen „Transporterraum“ einlud, beteiligte sich sogar selber als Musiker. Er spielte Gitarre und Bass auf dem Album. Ansonsten überließ er ihr die Regie. Und da die Frontfrau schon seit Gründung der Band nie an festen Band-Konstellationen festhielt, sind Die Heiterkeit in gewisser Weise nun endgültig zu ihrem zweiten Soloprojekt geschrumpft. Für eine musikalische Einzelgängerin, wie Sommer, sogar ein Gewinn, da sie nun keine Kompromisse mehr eingehen muss. „Was passiert ist“ überstrahlt all seine Vorgänger.

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