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07.03.2019 Autor: animalgod

Yassin - YPSILON

Normales Solodebüt: nach zwei Fressen polierenden Alben mit Audio88 und dessen letzter, finster grollenden EP, legt nun auch Yassin sein erstes, eigenes Album vor. Mutig und gewagt. „Ypsilon“ lässt den musikalischen Kosmos des Duos weiter expandieren. Ein Notfallkit-Bundle für den Weltuntergang: Wer das nötige Kleingeld übrig hat, kann sich die neue Platte des gebürtigen Darmstädters in einem komplett verschweißten Plastikbeutel samt dem Vinyl-Album, der CD, einer Bonus 7 Inch, einem Poster und weiteren Gimmicks holen. Wer tiefer gehen will, kann hinter dieser Idee auch ein Konzept erkennen. „Ypsilon“ hält persönliche Anekdoten, Lebensweisheiten und Gesellschaftskritik auf einem Album fest. Wenn er morgen von uns gehen würde, so Yassin, dann wären diese 11 Songs das, was er der Nachwelt vermachen würde. Oder um es mit dem Albumcover zu sagen: konserviert in einem Plastiksack. Dass in ihm längst ein Musiker heran gereift ist, haben bereits die letzten beiden Alben mit seinem Partner eindrucksvoll gezeigt. Auf „Ypsilon“ werden aus brettharten Battlerap-Tracks knackige Rap-Popsongs mit großzügiger Autotune-Behandlung. Das trifft vielleicht nicht unbedingt jedermanns Geschmack, ist aber äußerst kurzweilig geraten.Die Themenvielfalt, mit der Yassin hier sehr souverän hantiert, verleiht dem Album eine ungewohnte Tiefe, die man umso dankbarer annimmt.So reflektiert er in der fesselnden Ballade „1985“ über seine Leidenschaft zur Musik, die mit seiner Jugend als Außenseiter begann und in der Erfüllung als Berufsmusiker gipfelt. Fast unbemerkt schwingt sich das reduzierte Trap-Stück zu einem stimmungsvollen Höhepunkt. Auch in „Junks“ lässt er tief blicken und berichtet über persönliche Fehltritte. Das er sich auf seinem Solo-Einstand nicht nur als Rapper- sondern auch als Sänger zeigt, würde man gerne um so mehr hervorheben, wenn es sich nicht bereits so selbstverständlich anhören würde. In „Abendland“ stellt Yassin unserer westlichen Welt, die sich vom abgehängten Rest lieber abschottet, ein bitteres Armutszeugnis aus. Mit einer dicken, ungemütlichen und pathetisch anmutenden Soundwand im Rücken zeichnet er eine düstere Aussicht und stellt ernüchternd fest: „Doch was nützen die schönsten Metaphern, wenn's die Dümmsten nicht raffen, es wird dunkel im Abendland...“ Es gibt aber auch Versöhnliches zu hören, wie die Hymne gegen das angepasste Leben („Nie so“ mit Mädness) oder den schmerzhaften Battle-Kinnhaken “Eine Kugel“ (mit Audio88 und Casper). „Ypsilon“ will mehr sein, als ein stringentes Rapalbum. Insgesamt reicht es für einen zeitgenössischen, rohen Pop-Diamanten, mit dem sich der Rapper als eigenständiger und vollwertiger Musiker beweist, ohne etwas von seinen Ecken und Kanten einzubüßen.

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