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13.02.2019 Autor: animalgod

Döll - Nie oder jetzt

Döll - Nie oder jetzt Bewertung: 9/12

Es ist erst seine zweite Veröffentlichung und doch gleicht es schon fast einem Wunder, dass es sie überhaupt gibt. Fast fünf Jahre nach seiner Debüt-EP „Weit entfernt“ und allerlei persönlichen Krisen soll „Nie oder jetzt“ für Döll der letzte Versuch sein, endlich aus seinem musikalischen Schattendasein herauszutreten. Keine zwei Jahre ist es her, als Döll mit Mädness wie aus dem Nichts das Album „Ich und mein Bruder“ heraus brachte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sein Bruder dem Rap bereits mehr oder weniger den Rücken gekehrt. Und auch Döll selber zögerte mit weiteren Veröffentlichungen. Die positive Resonanz darauf (Juice-Cover, Platz 21 in den Charts und eine begeisternde Tournee) brachte den beiden endlich den nötigen Perspektivwechsel. Doch der wirkliche Befreiungsschlag kommt für den Hessen erst jetzt mit seinem ersten richtigen Album. Manche Leute meinen, ein Künstler müsse leiden, um Großes zu schaffen. Im Fall von „Nie oder jetzt“ wird aus diesem kitschigen Spruch bittersüßer Ernst. „Nie oder jetzt“ handelt von Süchten, Depressionen und großen Hoffnungen. Dank Dölls atemloser Delivery und den druckvollen Produktionen wird hier alles angestaute Negative in positive Energie umgewandelt. „Das hier ist das Realste, was ich schrieb, seit meim Start...“ flext Döll selbstbewusst im eröffnenden „Für den Fall“. Zeilen wie „Noch vor 'nem Jahr hing ich beinah' an 'nem Strick, ich erzähl' hier keinen Mist, ich geb' nur weiter, wie es ist.“ in „Outro“ lassen den Zuhörer eher schlucken. Die Stärke von „Nie oder jetzt“ liegt aber nicht nur in der entwaffnenden Ehrlichkeit des Rappers, sondern auch in der geschmackssicheren, musikalischen Untermalung. Im bereits als Video auskoppelten „All Day, Pt 1“, in dem Döll über seinen Werdegang und seine Liebe zu Hip Hop rappt, taucht ein Sample auf, welches an alte Film Noir-Klassiker erinnert und dem Song eine unheimliche, pessimistische Stimmung verleiht. In „Mann“ wippt der Beat lässig, während in den Strophen mit trällernden Flöten Frühlingsgefühle aufkommen und in der Bridge ein funkiges Big Band-Sample durchdreht. „Sah es in mir“ wärmt die Seele mit seinem sonnigen Soul, genauso wie es das finale, emotionale, „Outro“ tut. Die Klammer, die Alles auf „Nie oder jetzt“ zusammenhält, bilden Dölls , ehrliche, beinahe offenbarende Texte und die liebevolle Unterstützung seines Teams. Alle beteiligten Produzenten (u.a standen Morlockko Plus, Gibmafuffi, Dexter und Yassin Pate) stammen aus dem näheren Umfeld Döll`s und stärken ihm mit ihren Beiträgen den Rücken. Allein schon wegen des Zuspruches für das Album mit dem Bruder ist das hier sicherlich nicht sein letztes Ass im Ärmel, sondern viel mehr der endgültige Startschuss für eine fruchtbare, musikalische Zukunft.

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