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15.01.2019 Autor: animalgod

Hiob - Abgesänge

Hiob - Abgesänge Bewertung: 10/12

Schon im zweiten Song trifft er den Nagel auf den Kopf: „Es ist alles wie immer.“ Berlins wortgewandter Gossen-Poet Hiob schenkt uns nach langer Solo-Abstinenz ein neues Album. Wie ein Comeback fühlt es sich für ihn aber nach eigener Aussage nicht an. Zwischen „Drama Konkret“ und „Abgesänge“ veröffentlichte Hiob mit Morlockk Dilemma zwei Alben („Kapitalismus Jetzt!“ und „Kannibalismus Jetzt!“) und eine EP (Postapokalypse Jetzt!), sowie mit Pierre Sonality „Die Zampanos“. Als im März das Video zu „An der Sonne“ online ging, keimte in der Fangemeinde bereits die Hoffnung auf, dass da vielleicht noch etwas Größeres in der Pipeline wartet. Im wunderschön fotografierten Clip, in dem triste Großstadtkulissen in ungesättigten Bildern festgehalten werden, performt Hiob lässig mit Kippe in der Hand zu einem dick produzierten Slomo-Beat. „Abgesänge“ ist die konsequente Fortführung von „Drama Konkret“. Sound, Style und Attitüde haben sich in den sieben Jahren nicht verändert. Hiob spielt sowohl als Rapper, als auch als Produzent seine Stärken souverän aus. Für seine ungeschliffenen Produktionen wilderte er wieder in den Soundtracks von französischen und italienischen Horrorfilmen oder bei anonymer Libery Music. Seine Melange aus verschrobenen Beats und poetischen Milieustudien klingt immer noch herrlich zeitlos und absolut eigenständig. Besonders die Unabhängigkeit vom kommerziellen Musikgeschäft und der DIY-Gedanke in seiner Kunst bleiben das oberste Credo für Hiob. Unterstützung bekommt er natürlich wieder von Homie Morlockk Dilemma und Blood Spencore in „Keinen von uns“, „Bushammer“ und „Trinkgewohnheiten“. Wie bei allen Veröffentlichungen aus dem Hause Hiob & Dilemma erscheint auch das neue Album des Berliners auf dem gemeinsamen Label MOFO Airlines. „Abgesänge“ ist ein mit schlafwandlerischer Stilsicherheit, einer großen Portion Ignoranz- und viel Liebe zum Detail am Zeitgeist vorbei produziertes Rapalbum. Für die Charts ist er allerdings immer noch zu sperrig und für den Deutschrap-Gossip zu intellektuell. Am Ende bleibt Hiob (leider) nur sein Ruf als herausragender Künstler, für den der Struggle weiter gehen wird und für den der Rap eine große Leidenschaft und ein echtes Ventil bleibt.

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