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07.11.2018 Autor: animalgod

Westberlin Maskulin - Battlekings

Westberlin Maskulin - Battlekings Bewertung: 10/12

Sie haben den deutschen Rap wie kaum eine andere Formation beeinflusst: Westberlin Maskulin. Als noch Szene-Hochburgen wie Hamburg, Stuttgart oder Frankfurt am Main die einzig wahrnehmbaren Austragungsorte für Hip Hop hierzulande waren, gebaren die Straßen von Berlin in den späten 90ern mit Taktloss und Kool Savas zwei der wichtigsten Wegbereiter für deutschsprachigen Battlerap. Westberlin Maskulin waren so etwas wie der Albtraum aller deutschen Mittel-schichtsrapper und der krasse Gegenentwurf zum populärem Hip Hop, der die Charts zu dieser Zeit erobert hatte: asozial, gewalttätig und menschenverachtend. Ihr Debüt „Hoes, Flows, Moneytos“ ist bis heute nur in einer zensierten Version erhältlich. Gemeinsam mit MOR waren sie für einige Jahre die Aushängeschilder Berlins. Stilistisch hätten beide Rapper kein ungleicheres Paar abgeben können. Taktloss, der seinem Namen damals schon alle Ehre machte und auf kunstvolle Reimschemate und Flows wenig gab, ließ seinem Gegenüber keine Luft zum atmen und malträtierte ihn lieber mit dadaistisch anmutenden, absurden Punchlines zu Tode („Rap ist Apartheit, mich dürstet es nach Battles, du bist für mich wie Sprite, ein Erfrischungsgetränk.“). Kool Savas (damals noch King Kool Savas) beherrschte sein Handwerk perfekt und zementierte seine Rap-Skills in Wahrheiten, die auf ewig gelten: „Rap zieht mit sich, dass du irgendwann allein bist und das jeder Mensch, der findet, dass du Scheiße rappst, dein Feind ist...“ 2000 erschien „Battlekings“, ihr zweites und letztes Album.Mit ihren abermals provozierenden Texten schrammte das Duo an einer erneuten Indizierung nur knapp vorbei. Passend zum explizitem Inhalt explodierte auch die Musik wie nie zuvor. Nur auf den erste Eindruck wirkt „Battlekings“ völlig durchgeknallt und unberechenbar. Nach ein paar Durchläufen weicht dieses Bild der Einsicht, wie kurzweilig und aufregend der Zweitling der Berliner doch ist und „Hoes, Flows, Moneytos“ dabei schon fast lässig überholt. Natürlich sind alle Nummern typische Battle-Breiseiten in feinster (West)Berliner Art, von denen besonders „Aggressor vs. Compressor“ (mit Fuat und Justus Jonas als Gäste und einem mörderischen Beat, der einen dreieinhalb Minuten lang durch den Song hetzt), das großartige Punchlinegewitter „Battlekings“ und das abschließende „Chillin Killin“, in dem Taktloss noch einmal unmissverständlich den Ausnahmestatus seiner Stadt erklärt: „Rap ist in New York gross geworden. Aber sobald er laufen konnte, fand er den Weg an die West Coast, wo es ihm viel besser gefiel. Dann lernte er fliegen und Westberlin war sein Ziel...“

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