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10.05.2018 Autor: animalgod

Swans - The Glowing Man

Michael Gira und seine Sechs-Mann-Armee marschieren über die Ziellinie. 'The Glowing Man' ist ihre vorerst letzte große Stampede, bei der nochmal gebissen und gekämpft wird bis zur Ohnmacht.Wenn Chef-Misanthrop Gira in den letzten sieben Jahren etwas merklich vermieden hatte, dann waren das tiefgreifende Veränderungen. Zum Beispiel was das Bandpersonal betrifft. Noch nie waren seine Swans so beständig aufgestellt, wie seit der Rückkehr 2010. Mit Phil Puleo, Chris Pravdica, Thor Harris und alten Wegbegleitern wie Norman Westberg und Kristof Hahn installierte er eine schlagfertige Truppe, die sich über die Zeit immer besser einspielte und zu einem schillerndem Konglomerat unterschiedlichster Facetten verwuchs.Auf der Bühne gaben die Swans seitdem nur Stücke ihrer aktuellen (und wahrscheinlich auch stärksten) Phase zum Besten. Gira will seine (neue) Band unbedingt als moderne Neuinterpretation zu den früheren Arbeiten verstanden wissen. Und das ist ihm auch vollends geglückt. Ihre gigantischen Noiserock-Monolithen, die in ihrem sturen Minimalismus und der wieder entdeckten Aggressivität verstärkt an das Frühwerk der Band- und den Arbeiten Gira`s mit dem No Wave-Urgestein Glenn Branca zu Beginn der 80er erinnern, wurden von Album zu Album immer mehr verfeinert und gestählt.Trotz zuletzt brillianter Arbeiten wie 'To Be Kind' und 'The Seer' kann man Gira und seine Band dennoch dafür kritisieren, dass ihre Musik oft mehr einem unfertigen Entwurf- oder der Variation immer gleicher Ideen ähnelt. Auch 'The Glowing Man' bietet rein formal diesmal kaum Überraschungen. Der Großteil der auf den letzten Touren bereits intensiv erprobten Stücke fängt in der Studio-Adaption (aufgenommen wurde unter anderem auch in Berlin) gekonnt die Intensität der Live-Shows ein. Die gewohnt dichten Nebelschwaden aus hämmernden Noise und schier endlos langen, instrumentalen Postrock-Schleifen dominieren das Album und zeigen wo die Stärken der Band liegen. Im folkigen 'When will I Return' (welches komplett von Giras Ehefrau Jennifer gesungen wird) und im schon fast schunkeligen 'Finally, Peace' verlässt sie dieses Komfortzone und zeigt sich so zugänglich, schon fast versöhnlich, wie selten. Die gesetzten Anker der letzten Jahre bleiben aber dieselben: einen Spannungsaufbau, der gerne bis ins Unerträgliche ausgereizt wird und die folgende, große Explosion. Vielleicht durchschaut man dieses simple Konzept mittlerweile leichter. Trotzdem bleibt anzumerken, dass genau das die Swans nach wie vor wie keine zweite Band beherrschen. Dafür ist der Kick, der von ihrer Musik ausgeht, einfach zu groß. Gira soll eine Rückkehr mit den Swans übrigens nicht ausschließen. Ob er sie dann aber wieder so gewaltig erklingen lässt, bleibt nur zu wünschen übrig.

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