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21.02.2018 Autor: animalgod

Die Heiterkeit - Pop & Tod I&II

Die Heiterkeit - Pop & Tod I&II Bewertung: 9/12

Abermals hat sich bei Die Heiterkeit das Personalkarussell gedreht. Mit veränderter Band-Konstellation und der erneuten Unterstützung von Produzent Moses Schneider stehen alle Zeichen bei Stella Sommer und ihrer Band auf Neustart. Davon war nun wirklich nicht auszugehen: ausgerechnet der Hamburger Indiepop-Kapelle mit dem leider ziemlich peinlichen Bandnamen gelingt doch noch ein respektabler Auftritt auf deutschem Pop-Parkett. An anderer Stelle wird sogar bereits von einem „großen Wurf“ gesprochen, was vielleicht etwas zu gut gemeint- aber trotzdem ein großes Ausrufezeichen von Kompliment ist. Ihren Glanz kann man den düster- charismatischen und schillernden Songs auf dem neuen Album der Hamburgerinnen jedenfalls nicht absprechen. „Pop & Tod I&II“ ist bereits die zweite Arbeit, welche mit Moses Schneider entstanden ist. Wenn es in Indie-Deutschland einen Spezialisten gibt, für entschlackte, schnörkellose- und auf pure Emotionen reduzierte Rockmusik, dann ihn. Und genau diese Kur verpasst er nun auch Die Heiterkeit. Seine Handschrift ist dabei immer klar lesbar. Er hilft der Band, wie jeder anderen zuvor auch, den Kern der Musik freizulegen und ihr mehr Strahlkraft zu verleihen. Mit „Pop & Tod I&II“ ist dem Vierer eine deutlich leichter ins Ohr gehende, fesselnde und kurzweilige Werkschau all ihrer Fähigkeiten gelungen, bei der Sommers dunkle, vor Theatralik nicht gerade zurückschreckende Gesangsstimme immer im Mittelpunkt steht und den größten Sog entwickelt. Die schon fast omnipräsenten, aber stets angenehm zu hörenden Chöre von Hanitra Wagner und Sonja Deffner lassen den oft kreidebleichen Songs die Farbe zurück ins Gesicht schießen sorgen dafür, dass das manchmal knapp an der Selbstinszenierung vorbeischrammende Gejammer der Frontfrau nicht überhand nimmt. Die Heiterkeit im Jahre 2016 sind, bis auf wenige Makel, die Besten, die es bisher zu hören gab. Noch nie klangen sie so klar und bestimmt, ließen mehr Groove zu, waren tanzbarer oder kreierten Melodien, die man nicht nur im Kopf behält, sondern noch Stunden später gedankenverloren vor sich hin summt. Das man beim Hören des Albums nie von dem Gedanken eingeholt wird, in welche Genre-Ecke man die Gruppe nun abstellen will, zeigt, wie unverkrampft und lässig sie mittlerweile klingt. Ihre Independent-Coolness nimmt man ihr jetzt auch ab, genauso den auf Maß geschnittenen Postpunk-Minimalismus. An den starken NDW-Reminiszenzen wird man sich anfangs noch doll stoßen, die erfrischende Abwechslung des Albums lässt sie aber nicht zu dick auftragen. Die Hürde von 20 Titeln nimmt man dann auch viel müheloser, als gedacht, weil es einem Die Heiterkeit auf diesem Album so leicht wie noch nie machen, ihnen in jeder Sekunde die größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken. Mit ihrem dritten Album besteht die Band nicht nur ihre Reifeprüfung, sondern legt ein bescheiden triumphierendes Meisterwerk vor, das aufhorchen lässt.

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