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25.01.2018 Autor: musikmanie

Feine Sahne Fischfilet - Sturm & Dreck

"Sturm und Dreck" prescht einem mit, sagen wir Windstärke 5 ins Gesicht, schon doll, aber angenehm. Besonders die Texte der emotionalen Lieder sind mal was anderes, sie beschäftigen sich viel mit zuhause.

Single und Herzstück ist das Lied Zuhause. "Zuhause heißt, wenn dein Herz nicht mehr so schreit, Zuhause heißt, wenn die Angst der Freundschaft weicht." Die Melodieführung wird ruhiger und man kann für ihre Verhältnisse schon fast von einer Ballade sprechen. Im Video dazu haben die Jungs aus dem Norden verschiedene Leute gefilmt und darüber sprechen lassen, was ihr Zuhause ist. Natürlich haben auch hier die Trompeten ihre Rolle gfunden. Alles auf Rausch zeigt ein bisschen Bandgeschichte, im Video gibt es ebenso ein paar Einblicke "Ich kann immer noch nicht sing' und spiel jetzt bei Rock am Ring" macht es sehr sympatisch. Auch wenn das Lied zwar nicht sonderlich spannend gestaltet ist, laden die Ausschnitte im Video zum lachen und ohhhh denken ein und schon hat man es etwas lieber. Es ist eines der Lieder, die der Band mehr Spaß machne könnten als dem Publikum und damit die Menschen wieder anstecken. Als Pendant dazu gibt es zum Ende des Albums Wir haben immer noch uns, ähnliches Thema nur andersrum betrachtet. Weniger Geschichten mehr Gefühle.

Klassisch punkig kommt Schlaflos in Marseille daher, mit etwas ohohoh Mitsingpart, obwohl es einen verträumten Anfang hat klingt es leicht Melancholisch. "In der Kneipe, raub ich mir den Verstand. In der Kneipe, leg ich mein Herz in deine Hand. In der Kneipe trink ich mit dir ne Flasche Schnaps. In der Kneipe küssen wir uns durch die Nacht" Irgendwie romantisch. Um dem weichen Teil des Abums entgegen zu wirken knallen Lieder wie Dreck der Zeit gleich in die Ohren. Ein wütendes, zeitgenössisches Stück, könnte die FAZ sagen.

Textlich findet sich auf Sturm und Dreck zu sehr vielen Themen etwas, von Politik, Liebe, Gesellschaft, für Menschen - es ist wirklich alles dabei. Alles anders beginnt schon nahezu leichtfüßig. Die Trompeten stehen bei dieser Gedankensammlung über Liebe etwas zurückhaltender, leider ist auch die Gitarre sehr Monoton gehalten, nicht, dass noch zu viel rock in den punk kommt - aber der Bass bekommt eine leichte Betonung. Kurz gesagt, es ist ein sehr liebevolles, realistisches Lied über Liebe "Und ich geb es endlich auf. Ich geb auf. Ich geb auf. Das hier ist jetzt nur für dich. Für dein Feuer, für dein Glück. Alles anders hier zu sehen, in den Wahnsinn aufzugehen. Für immer nur du und trotzdem alles anders." Es bekommt zum Ende sogar die Ruhe, die es nach diesen Gedanken zu brauchen scheint und darf langsam ausklingen und still werden.

Neben Zuhause behandelt Wo niemals Ebbe ist ebenso die nördliche Heimatregion. Aufgrund dieser Zeilen bekommt man gleich Lust sich in den Bus zu setzen und ans Meer zu fahren. Mit einem eingängigen, zusammen gesungenen Refrain und durch die nach oben laufende Melodie wirkt es sehr zuversichtlich, eingängig und gemütlich. "Wir leben da, wo niemals Ebbe ist, ein naher Freund zu weit entfernt, Wir leben da, wo niemals Ebbe ist, du fehlst mir, doch so sehr." und trotzdem ist es noch realistisch betrachtet Überall steht zu vermieten drauf, gegenüber macht ne Spielo auf... Mein zuhause ist der Strand, denn dort habe ich kein Empfang" Ab und an noch ein Wink zum Fußball, klingt es sehr herzlich zum Ende des Albums daher. Niemand wie ihr klingt sehr dankbar. Durch das Schreien, bekomme die Worte "Ich steh zu dir" noch einmal eine andere Betonung. Eine schöne Art älteren Generationen irgendwie danke zu sagen.

Persönliche Message auf Blasinstrumenten. Man ertappt sich mit einem Grinsen auf dem Gesicht, mit der Lust zu tanzen, einer beallten Faust in der Tasche und guter Laune durchweg. Faszinierend ist, dass sie immer noch sehr handgemacht klingen. Die Verbindung zu ihrerem zuhause wird gehalten, was irgendwo zwischen Bühne, Ostsee und Personen liegt. Inahtlich ist Sturm und Dreck wie ein Strandspaziergang: Von Erinnerung, zu aktuellen Themen, zu Gefühlen und Familie und Freunde, es geht einem alles durch den Kopf.

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