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20.12.2017 Autor: animalgod

Audio88 & Yassin - Halleluja

Launischer Metaebenen-Rap voll von ätzender Szenekritik, der seine Arme aber auch nicht vor schlauen Statements zu Politik und Gesellschaft verschränkt. Aber vor allem beweist er Sinn für das Wichtigste: Spaß an der Musik. Seit ein paar Jahren schallt wieder ein Aufschrei durch den deutschen Rap-Untergrund. Das Vakuum, dass die große Straßenrap-Blaupause vor über einer Dekade hinterlassen hat, wird endlich wieder mit liebevoll gemachter Musik gefüllt. Audio88 & Yassin wurden mit deutschen Battle- und Consciousrap-Legenden wie Westberlin Maskulin oder Rödelheim Hartreim Projekt sozialisiert. Eine Zeit, in der Rap mit politisch unkorrekten Texten noch schockte- und noch keine gleichgültig abgenickte Popkultur war. Für "Normaler Samt" wollten sie wieder in dieses Gefühl eintauchen und verpassten einer aufgeblasenen Szene den schmerzhaften Roundhouse-Kick in deren empfindliche Weichteile. Auf „Halleluja“ reicht die Palette an Themen aber weiter. Das Kernstück des Albums bildet der Titeltrack, in dem die Rapper neue Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders aufstellen. „Erhebe niemals die Hand gegen deinen Nächsten. Es sei denn, er bewegt sich zu langsam auf dem Gehweg. Oder redet gleich einer Sirene, im Bus per Telefon, zu laut mit den Kollegen...“ gibt Audio88 darauf als gut gemeinten Tipp seinem Zuhörer mit auf den Weg und ist dabei freundlicher, als sonst. "K.R.A.U.M.H" (Kohle Regiert Alles Um Mich Herum) ist erneut eine zynische Szenen-Studie und bemängelt die immer mehr um sich greifende Kommerzialisierung des Genres und den fehlenden Willen zur Originalität bei vielen Kollegen. Audio88 liefert hierauf mit "...in einer Welt, in der Formel 1 ein Sport ist, erkennt man gute Texte, an Silben-zählen und Wortwitz" die wohl beste und wahrste Punshline des Albums. Aber auch über den Szene-Tellerrand blicken die Zwei und verteilen in "Schellen" schallende Ohrfeigen an die "besorgten" Bürger unseres Landes. Musikalisch rumpelt es auf "Halleluja" gewohnt herrlich zwischen Alter- und Neuer Schule. Normaler Produzent Tory Tork taucht diesmal nur für "Asiabox" als Produzent in den Credits auf. Dafür standen u.a. Dexter, Farhot, KevBeats und Yassin selbst als Beat-Bauer zur Verfügung. K.I.Z-Nico und Doz9 veredeln "Gnade" und "K.R.A.U.M.H" mit jeweils genialen Feature-Parts. Auch wenn "Halleluja" mit nur acht Songs eher knapp ausfällt, bieten Audio88 & Yassin auch hier wieder originäres Rap-Handwerk auf zeitgemäßem Niveau.

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