29.10.2017 Autor: animalgod

Tindersticks - The Waiting Room

Manche Dinge bleiben einfach für immer: Freundschaften aus Kindheitstagen, der Lieblings-Fußballverein, eine tief empfundene Abneigung gegenüber Spargelgerichten oder der bildgewaltige Kammer-Pop von Stuart Staples und seiner Band. Seit über 20 Jahren geht das jetzt schon so. Andere hätten da ihr kreatives Potential längst ausgeschöpft gesehen und entkräftet aufgeben. Doch nicht die Tindersticks. Die treibt das Musikmachen immer noch an. Dabei erweitern und verfeinern sie in kleinen Trippelschritten mit jeder weiteren Platte ihr selbst geschaffenes Klangspektrum aus kuschligen Indierock, rustikalem Orchester-Pop und jazziger Beschwingtheit. Kleine Vorhersehbarkeiten in der Produktion und überraschende Verwechslungen mit älteren Songs verzeiht man der Band trotzdem gerne. Auch weil „The Waiting Room“ so kraftvoll und präzise wie schon lange nichts von den Tindersticks daherkommt. Die für ihren bildgewaltigen Pop Noir geliebten Briten haben diesmal sogar für jeden Song ihres neuen Albums einen eigenen Mini-Film drehen lassen, mit teils verstörenden Bildern. Was gut passt, denn die Gruppe hat sich in den vielen Jahren schon mehrmals an Soundtracks beteiligt, zuletzt für den Film „Bastads“, sowie einer Auftragsarbeit für das belgische „In Flanders Fields Museum“. „The Waiting Room“ wartet mit sehr hörenswerten Gastbeiträgen auf, u.a mit der Savages-Sängerin Jenny Beth in „We are Dreamers!“ und der im Jahr 2010 an Brustkrebs verstorbenen Lhasa Del Sela in „Hey Lucinda“. Es ist schön zu wissen, dass die Indie-Institution auch im 25. Jahr ihres Bestehens noch so starke Alben hinlegen kann. Denn das macht große Hoffnung darauf, dass Staples & Co auch in Zukunft eine verlässliche Größe bleiben.

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