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16.11.2015 Autor: Martin Burger

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead - IX

“IX” für das neunte Album, “IX” aber auch für einen Planeten aus Frank Herberts "Dune"-Zyklus, so Conrad Keely, Chefdenker hinter ...Trail Of Dead, die ihr neuestes Gesamtkunstwerk wieder vollpackt haben mit hymnischen Momenten und Referenzen aus Weltmusik und Popkultur. Im Vorfeld war von einem reinen Instrumentalalbum die Rede (darüber geben auch die Bonustracks auf der Deluxe-Version Aufschluss), doch auf Anraten ihres Produzenten Chris "Frenchie" Smith haben sie es sich glücklicherweise anders überlegt: Das Thema Verlust zieht sich durch einen Großteil der Stücke, und Keely, sonst der große Verklausulierer, gibt so viel Persönliches preis wie seit "Pictures Of An Only Child" nicht mehr. So trauert er im erst sanften, dann postrockig ausbrechenden "Bus Lines" um einen Freund, indem er sich an die Strapazen einer gemeinsamen Busreise durch Südostasien erinnert. Selten lagen Waidwundigkeit und Krach so nah beieinander wie hier, wären da nicht "The Dragonfly Queen", bei dem man an frühe Coldplay denken muss, oder "The Ghost Within", das verbliebene Emotionen beschreibt, die sich nach einer Trennung übers Heim legen. Dazu glänzt Keely mit der besten Gesangsleistung seiner Karriere. Der mitreißendste Song auf dem Nachfolger der "Lost Songs" stammt jedoch nicht aus seiner Feder: "Lie Without a Liar", geschrieben und gesungen von Schlagzeuger Jamie Miller, bildet mit seiner Rastlosigkeit und dem Mitsing-Refrain eher die Ausnahme; in der ersten Hälfte liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Atmosphäre. Zum Schluss packen sie natürlich doch noch die Keule aus. Jason Reeces Brecher "Lost In The Grand Scheme", in dem er den Tod seines Vaters verarbeitet, versucht erst gar nicht, sanft zu Werke zu gehen. Das instrumentale "Like Summer Tempests Came His Tears" erinnert mit seinem Streicherarrangement an manche Passage vom großen "Worlds Apart" und geht auf in dem gewohnt mit verschiedenen Einflüssen spielenden "Sound Of The Silk", wo man sich nach einem treibenden Anfangspart plötzlich inmitten Phnom Penhs klackernder Webstühle wähnt. Dazu schließt Keely den textlichen Kreis, indem er eine zentrale Zeile aus "The Ghost Within" wiederholt: "try to run/ but you can’t", und man muss zustimmen, denn erneut haben ...Trail Of Dead ein Album aufgenommen, dessen Sogwirkung man sich nur schwerlich entziehen kann.

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