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18.04.2014 Autor: SaraEdge

La Dispute - Rooms Of The House

Begeisterten La Dispute auf „Wildlife“ noch mit hysterischem Gesang und schockierenden Geschichten, die den Hörer mit ihrer Intensität trafen, rudert das Quintett bei „Rooms Of The House“ nun zurück und konzentriert sich auf die alltäglichen Dramen des Lebens, ohne an Emotionalität zu verlieren.

Mit dem Vorgängeralbum „Wildlife“ lieferten La Dispute 2011 ein lyrisches Meisterwerk im Genre des Post-Hardcore. Von Tod, Schicksalsschlägen und Schmerz erzählt Sänger Jordan Dreyer mit zitternder Stimme. Der Wechsel zwischen Gemurmel und Geschrei velangt dem Hörer einiges ab. Diese Ausbrüche bringen einem die dramatischen Abgründe des Lebens vors Auge, man findet sich inmitten von Tragödien wieder. Schockierende Zeilen wie „Can I still get into heaven if I kill myself?“, lassen den Hörer fassungslos im Geschehen zurück. Das neue Album „Rooms Of The House“ erzählt überraschenderweise keine Horrorgeschichten von Kindern, die an Krebs sterben oder mordenden Heranwachsenden, die auf der Flucht vor der Polizei sind. Der Sturm hat sich gelegt. Nach den Gefühlsexplosionen auf „Wildlife“ setzt man nun wohl eher auf das Konzept „weniger ist mehr“. Kein Zweifel: Mit dem neuen Album nehmen sie Abstand von großen Dramen und konzentrieren sich auf das Alltägliche. Porträtiert wird das Zerfallen, das Scheitern einer Beziehung. La Dispute verlassen sich eben nicht nur auf große, tragische Geschichten, sondern kommen der Realität ganz nah. Ruhiger wirkt „Rooms Of The House“. Keine hysterischen Schreie, keine emotionalen Ausbrüche. Mit „Stay Happy There“ erinnern sie noch am ehesten an die vorangegangenen Alben. Es ist außerdem das erste Lied des neuen Werkes, welches sie veröffentlicht haben.. Anscheinend wollte man mit dem neuen Sound niemanden verschrecken und die Fans langsam an die Platte heranführen. Melancholischer wirkt das Album. Passend zu dieser traurigen Grundstimmung, in der sich die Dramen nun im Zwischenmenschlichen abspielen, passt auch der leise Sprechgesang von Jordan Dreyer. In „Woman (In Mirror)“ murmelt der blasse Junge vor sich hin. Er wirkt immer noch gebrochen aber ist stiller geworden. Der Gesang wirkt fließender, kein extremer Wechsel zwischen Geflüster und Geschrei. Zwar deuten sich in „Scenes from Highways 1981-2009“ altbekannte Ausbrüche an, und eingefleischte La Dispute- Fans warten auf die Explosion, doch er hält sich zurück. Die unbeherrschte Hysterie hat man auf „Wildlife“ gelassen. Es wird nicht geschockt, sondern vielmehr erzählt man dem Hörer mit Melodie und leiser, eindringender Stimme vom Ende einer großen Liebe. Genau hier erkennt man nun den Unterschied zwischen La Dispute und anderen Künstlern der Szene. Die Band aus Michigan besingt Erlebnisse nicht, sondern beschreibt sie. Die fünf Jungs nehmen den Hörer mit in ihre poetische Welt. Für ihre Musik muss man sich Zeit nehmen. Selbst das Plattencover erzählt eine Geschichte. Abgebildet sind Bilder längst vergangener Zeiten und alte Bücher. Alltagsgegenstände bilden nämlich Leitmotive auf dem Album. Sie erwecken Erinnerungen an die vergangene Liebe. Jeder Gegenstand ist das Tor zu vergangenen Erlebnissen. So ist der Hörer hier wie ein Zuschauer im Kino: Man wird Zeuge eines traurigen Schauspieles und La Dispute sind die Erzähler. Ob „Rooms Of The House“ wie sein Vorgänger „Wildlife“ ebenfalls ein überragender Erfolg wird, muss sich noch zeigen. Allerdings bezeugt es den Mut der Band, neue Wege einzuschlagen, ohne am Erfolgsdruck zu scheitern.

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