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28.03.2013 Autor: Powder To The People

Deftones - Koi No Yokan

Tja. Grossmäulig vor einiger Zeit ein umfassendes Review angekündigt und nun das. Das Problem ist, dass ich zum ersten Mal nicht wirklich weiss, was ich zu einem Deftones-Album sagen soll. Vielleicht folgendes: Ich habe noch auf keine ihrer Platten derart wenig Lust gehabt und diese somit auch entsprechend wenig gehört. Und wir reden hier wohlgemerkt von meiner Lieblingsband! Woran das liegt lässt sich am Ende vielleicht doch einfacher erklären als gedacht. "Koi No Yokan" ist wie ein Leerlauf. Die Maschine ist an, alles funktioniert, die Karre tuckert dahin - aber nix passiert. Man bewegt sich weder vorwärts noch rückwärts. Tritt man auf's Gas, wird's laut; bringt aber nichts. Schaltet man das Licht an, wird die Geräuschkulisse spürbarer; bringt aber nichts. Und lässt man den Karren zu lange laufen, geht ihm unweigerlich der Saft aus.

Oberflächlich gesehen ist das Album kaum von den Releases seit "Saturday Night Wrist" zu unterscheiden. Aber selten war das Stückwerk innerhalb der Lieder mit derartigen Sollbruchstellen versehen ("Romantic Dreams", "Graphic Nature"). Man hört sie förmlich die einzelnen Teile mit aller Macht aneinanderschweissen. Organisch ist da selten was, trotzdem wirkt das alles seltsam homogen. Im viel zu negativen Sinne. Aggressivität? Wut? Hatte Chino keinen Bock drauf. Und wenn, dann halbherzig. Peitscht man, wie in "Poltergeist", tatsächlich durch die Strophe, kommt ein energieraubender B-Teil vom Reißbrett. Und dann diese Refrains. Wie repetitiv kann man werden? "Tempest" ist atmosphärisch und gut gestaltet, hat aber den vielleicht lahmsten Snare-Auf-Die-Eins-Chorus aller Zeiten. Wäre weit weniger schlimm, würde man nicht derart oft darauf zurückgreifen. Und so geschieht es permanent. Es ist sogar schwer, da Ausnahmen herauszufiltern. Eben weil der Grossteil der Lieder so gestaltet ist. Ein "Oh! Da läuft Digital Bath!" oder "Minerva, wie schön. Hör mal genau hin." passiert nicht mehr.

Klar, "Rosemary" ist ihr wahrscheinlich bester Shoegaze-Song. "Swerve City" macht trotz oder eben wegen seiner Simplizität Spass. "Entombed" beruhigt im Zweifelsfall auch Berggorillas beim Schützen ihrer Jungen. Und ein "Gauze" könnte kaum tiefer im bandeigenen Sound verankert sein. Aber all das wirkt wie ein kurzes Gangeinlegen mit Kupplungspiel, bevor der Fahrlehrer doch wieder Sicherheit reinbringt. Dann lieber Abwürgen, das wäre konsequent.

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