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16.04.2012 Autor: housefrau1981

Die Ärzte - Auch

5 Jahre Pause, immerwieder die Frage, ob da noch was kommt - und seit 13.4. gibt es endlich eine neue Platte von den 3 Herren aus Berlin. Nach der enttäuschenden Vorab-EP "ZeiDverschwÄndung", die aber mit den 3 restlichen Songs punkten konnte, war ich mir nicht so sicher, in welche Richtung die Reise wohl gehen wird, aber die Ärzte wären nicht die Ärzte, wenn sie nicht auch hier wieder solide gute Unterhaltung abliefern würden. So wie in den guten alten Zeiten habe ich auch dieses Mal die Vorabstreams im Internet ignoriert und die Platte so gehört, wie das eigentlich am schönsten ist - ab in den Laden, kaufen, schnell heimrasen und ab damit in den Player. Und kaum setzen die ersten Töne von "Ist das noch Punkrock" ein, ist es auch schon so, als wären die vergangenen 5 Ärzte-Album-freien Jahre nicht gewesen - sie sind wieder da und es ist schön. Natürlich erfindet sich die Band auch 2012 nicht mehr neu, natürlich kann man auch ohne auf die Stimmen zu achten sofort heraushören, wer für welchen Song zuständig ist und natürlich ist die Platte wieder ein krude Mischung aus Farin-Urlaub-Pop-Gute-Laune-Krachern, Rod's musikalisch immer ein bisschen hochwertigeren Ergüssen und dem üblichen Irrsinn (genial: Cpt. Metall). Aber das ist doch genau das, was ich von dieser Band erwarte. Songs, die ins Ohr gehen, Texte, die teilweise ernst, teilweise aber echt nur strunzdumm sind und sich auch nur mit Müh und Not reimen und vorallem das gute Gefühl, das mir die Band seid bald 20 Jahren vermittelt - die großen Trends, die großen Neuerungen können die anderen machen, die Ärzte liefern ab, was sie am besten können. Gegenüber dem Vorgänger "Jazz ist anders" fehlen zwar die sofort erkennbaren Hits und auch die Wiederentdeckung anderer Instrument außer Gitarre/Bass/Schlagzeug fällt auf, aber das tut dem Hörspaß keinen Abbruch. Auf Balladen oder ruhigeres Material wird verzichtet, der obligatorische Sommerhit (wie immer aus der Feder von Herrn Urlaub) ist mit "M&F" auch vertreten und eigentlich sind auf der 16 Stücke umfassenden Platte nur 2 Kandidaten, die ich wohl oft skippen werde - das schon bekannte und nach wie vor schwache Bela-Vehikel "Zeidverschwändung" und das hochnotopeinliche "Tamagotchi", für das sich gleich alle 3 Ärzte verantwortlich zeigen. Ansonsten bietet die Platte alles was das Fan-Herz begehrt. Für viele vielleicht störend, für mich sehr angenehm empfinde ich die gerechte Aufteilung der Songs auf die 3 Mitglieder, auch wenn Urlaub der abwechslungsreichste Songschreiber ist, es tut der Platte mMn gut, dass gerade Rod mehr Songs beisteuern durfte. Man merkt an Text, Produktion und auch Akkordfolge und Struktur der Songs schon einen ziemlichen Unterschied zu den Urlaubsongs und das gibt er Platte eine angenehme Mischung. Bela fällt gegenüber den beiden nicht merklich ab, auch wenn die "Kritik" durchaus angebracht ist, dass seine neuen Songs mehr nach Solowerken klingen denn nach Ärztesongs - zugute halten muss ich ihm, dass sie wie die besseren Songs seiner beiden Solo-CDs klingen und deshalb nicht störend auffallen.

Nun, wie erwartet war das hier Lobhudelei und in keinster Weise objektiv, aber das Fanherz schlägt ob der neuen Platte einfach hörer. Die Ärzte 2012 - sie haben sich nicht neu erfunden, aber mit "Auch" eine tolle Platte abgeliefert, die auf der kommenden Tournee sicher für einigen Spaß sorgen wird. Ich kann die Platte für alle Fans und Ärzte-Sympathisanten uneingeschränkt empfehlen.

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