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07.09.2010 Autor: -pmh-

Silversun Pickups - Swoon

„Mehr ist Mehr !“. Das dachten sich wohl auch die Damen und Herren der Silversun Pickups, die einem gelungenen Debüt („Carnavas“, 2006) einen mindestens ebenbürtigen Nachfolger an die Seite stellen wollten / mussten. Klar, zwischen den Polen Indie und Rock gibt es anno 2009 immer noch genügend Platz um zu begeistern – auch wenn die Mittel inzwischen sehr begrenzt sind. Und Fans von Placebo bis zu den Smashing Pumpkins dürfen „Swoon“ ebenso gut finden wie sie die Platte vorschnell als Mitläufer abwerten …

Einfache Faustregel – eine Band ist nur so gut wie die Songs die sie schreibt: wenn das ein Garant für Erfolg ist dann dürften die Kalifornier wohl ihr Eigenheim mit einigen Extras aufrüsten … Allein der kratzig-dynamische Sound von Dave Cooley und die stets präsente Streicherfraktion fahren durch die zehn ausnahmslos überdurchschnittlichen Stücke wie ein Frühstücksmesser durch die bereits angetaute Butter. Und dabei konzentrieren sich die Sinne nicht nur auf den androgyn anmutenden Gesang von Brian Aubert, sondern auch auf die teilweise faszinierenden Ups and Downs im Song selbst. Mächtig und dennoch verspielt operieren die beiden ersten Tracks zwischen rockig-kantigen Polen und einer beinahe selbstverliebten Aura aus gekonnten Hooks und perfekt austarierten Refrains. Kitschig ? Keineswegs - solche Perlen wie den Düsterhappen „The Royal We“ kriegt man schon nach der ersten Einfuhr nicht mehr aus dem Kopf. Ein nahezu perfekter Song um gegen Mitternacht auf den örtlichen Highways zu cruisen und den Anblick der geheimnisvollen Nacht in sich aufzusaugen…

Selbst das getragene „Growing Old is Getting Old“ berauscht auf ganzer Linie - unaufdringlich und dennoch intensiv poltert der Gesang von Aubert gegen die reduzierte Instrumentalfraktion an, mischt verwischte Leidenschaft und entrückte Inszenierung gekonnt und zu gleichen Teilen in einem Glas Wodka-Martini (on the Rocks). Eben nur für echte Männer, die sich ebenso geschüttelt wie gerührt geben können. Doch es geht auch anders – „Panic Switch“ ist gleichermaßen Härtepol wie zwingender Hit: Indie-Tanzflächenfeger, akkurat in wiederkehrenden Dynamikwellen eingeteilt und mittels dem zweistimmigen Refrain ein Ohrwurm , dem sich weder blutjunge It-Girlies noch gestandene Rocker entziehen können. Ihr meint, das sei highlightmäßig schon alles ? Nun, dann gebt euch zur Beruhigung noch das mit einem Monstersolo verzierte „Sort Of“ oder den Tränendrücker „Catch and Release“ … und danach werden keine Fragen mehr offen bleiben. Oder ? Mitsamt der stimmigen Aufmachung und dem Frontgemälde aus dem Hause Waterston haben die Pickups diesesmal (fast) alles richtig gemacht - nur ein oder zwei etwas weniger zwingende Kompositionen und die leichten Parallelen zu Billy Corgan´s zertrümmerten Kürbissen verhindern eine noch bessere Haltungsnote. noch ...

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