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07.09.2010 Autor: -pmh-

Cult Of Luna Eternal Kingdom

Innovationen am laufenden Band: Wo immer sich die schwedische Ausnahmeformation in den letzten Jahren auch hinbewegte, es war für den Zuhörer meist ein Genuss dieser Reise zu folgen… Nun, nachdem sich nach einer stetigen Suche das letzte Album „Somewhere along this Road“ eine kleine Verschnaufpause gönnte (nichtsdestotrotz ein Juwel sondergleichen) hakt man 2 Jahre nach diesem wieder ein: Eternal Kingdom, der fünfte reguläre Studiolongplayer wartet mit einer interessanten, wenn auch leicht fiktiven Story auf - die Musik welches diese Geschichte umrahmt ist zwar wieder einmal intensiv & over the Top - auch wenn auch diese beim Erstkontakt noch etwas spröde anmutet und keinesfalls Liebe auf den ersten Blick ist…

„Owlwood“ bietet nach einem starren Einstieg die gekonnte Verknüpfung aus nahezu apathischer und trotzdem effektiver Drumarbeit, gegen den Strich gebürstete Riffs und das - wie immer – intensive / heisere Geschrei von Klas Rydberg. Das I-Tüpfelchen auf diesem etwas unauffälligen Komposition sind aber die Geschehnisse im Hintergrund: Zwischen Lavacore und Postrock (im besten Sinne) pendelnd bersten die Gitarrensaiten geradezu vor Dynamik und Melancholie bevor der Song ruhig und schwelgerisch nach dem Ende greift. Der Titeltrack zeigt dann aber einmal mehr die Klasse von COL - getragen, hypnotisch und mit allerlei Verzierungen ausgestattet arbeitet sich die Acht Kopf starke Mannschaft stoisch und präzise immer tiefer in deine Seele vor. Im Mittelteil leicht zerbrechlich , trotzdem wie ein unaufhaltsamer Strom vorwärtsfliessend taucht man (am besten über Kopfhörer) in die rauhe See ein um beim knapp 12minütigen „Ghost Trail“ komplett unterzugehen: nachdem der divergierende und zugleich bedrohliche Auftakt nach gut 3 Minuten Fahrt aufnimmt gibt es hier unter Wasser allerhand zu bestaunen: flüssige Solis, Cinemascopesound im Melancholiemantel, Stimmungsschwankungen und kleinere Erholungsphasen vor dem finalen, noisigen Ausbruch.

Ob die drei eingeflochtenen Ambient/Instrumentalstücke („The Lure“ / „Osterboten“ / „Ugin“ ) den Fluss der Stücke unterbrechen oder dadurch die Intensität der sieben ausladenden Hauptkompositionen noch steigern mag jeder für sich entscheiden. Fakt ist aber auf alle Fälle dass genau durch diese willkommenen „Unterbrechungen“ die Vorfreude auf den nächsten Akt steigt. Die Abwechslung in diesen harmonisch in sich geschlossenen Zwischenspiele bleibt jedenfalls nicht auf der Strecke… „Mire Deep“ klingt typisch nach Cult of Luna, etwas psychedelisch und anfangs unaufdringlich – arbeitet aber ebenso wie das verschachteltere „The Great Migration“ mit den walzenförmigen Drive der die Skandinavier schon seit Jahren ebenso unverwechselbar und intensiv macht. Das doomig-rockige "Curse" spielt geschickt mit noisigen wie sphärischen Elementen und bricht etwas aus dem Kompositionsmuster aus, bereitet aber geschickt den Boden für das finale "Following Betula" : hier werden - in diesem ebenso unverkennbaren wie alle Qualitäten zusammenfassenden Highlight - diverse Elemente der vorangegangen Interludien (Bläserklänge inklusive) eingearbeitet und nach dem Ende mag sich der Hörer ebenso rastlos wie irritiert an die schweissverklebte Stirn fassen. "Repeat" once More?

Auch nach mehrmaliger Reise ist unklar ob „Eternal Kingdom“ nun das beste Album von Cult of Luna ist (das sei mal dahingestellt) : bis dato hatte „Salvation“ bei mir die Nase vorne, was das ewige Königreich schafft muss die Zeit erst zeigen …Kaufalarm für die Fanklientel besteht aber so oder so.

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