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21.07.2010 Autor: Go Ahead Eagle

Silversun Pickups - Swoon

So. Nun ist es endlich so weit. Ich schreibe meine erste Plattenkritik, zu dem Album, dass mich seit über einem ¾ Jahr nicht mehr los lässt. „Swoon“ ihrem, laut Homepage dritten Album, nach einem selbstbetitelten und dem auch bereits in Visions rezensierten „Carnavas“. Doch wo sich laut Visions zwischen Carnavas und Swoon „kaum etwas verändert“ hat, sehe ich deutliche Differenzen. Der Sound wirkt tiefer, ausgefeilter und deutlich überlegter. Während auf Carnavas eine B-Klasse Band, bei schwacher Abmischung drauf los zu spielen scheint, fesselt Swoon durch ausgefeiltes Spiel , eine glatte und harte, fast steril wirkende Produktion. Zudem hört es sich so an, als wäre jedes Feedback, jeder Streicher, jeder Effekt mathematisch genau berechnet worden um möglichst großen Effekt zu erhaschen.

Dabei schafft das Album trotzdem die schwierige Balance zwischen überzeugender Technik und mitreißender Emotion. Grundlage hierfür bildet die Harmonie zwischen hypnotischen, treibenden Bassläufen und dem, auch über Albumlänge sehr abwechslungsreichen und akzentuierten, Schlagzeug. Was als Bonbon zur klassischen Rockbesetzung hinzu kommt sind Streicher- und dezente im ätherischen verlaufende Klaviereinsätze. Und wie man so etwas auf Albumstimmung und einzelne Songstrukturen anpasst beweisen Silversun Pickups im herausragenden Stück „The Royal we“. In dem sich Streicher und mächtig verzerrte Gitarre die Klinke in die Hand geben und zusammen arbeiten, als wäre es das normalste der Welt. Was natürlich ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf sind die Wechsel in der Dynamik. Leise, ruhig gespielte und gesungene Teile wechseln sich überzeugend mit lauten Momenten ab. Einerseits hört man zuweilen nur Bassistin Monninger und Auberts sanfte Stimme, andererseits verstehen es die beiden und ihre Mitstreiter präzise aus dieser einlullenden Stimmung auszubrechen. Und dann mit Macht! Türmen schnellstens Schicht und Schicht übereinander, Auberts Stimme erhebt sich, die Gitarren werden zwingend und das Herr der Streicher gibt richtig Dampf.

Wo ich es grad erwähne: Auberts Stimme. Irgendwie in meinen Ohren mäandernd zwischen (nicht lachen!) Michael Jackson und Claudio Sanchez, allerdings mit unverkennbarem eigenen Einschlag. Wobei der auf diesem Album auch davon kommen könnte, dass es sich so anhört, als wäre Auberts Stimme gedoppelt und drübergelegt worden um einen Hall, eine Art stimmlichen 3-D-Effekt zu erzeugen. Manchmal hört man allerdings auch die Frau Bassistin durch, wie Sie den Leadgesang treffend ergänzt und ihm eine besondere Aura verleiht.

Und wo wir beim Stichwort Aura sind. Bleibt mir noch ein Song, den ich besonders erwähnenswert finde. Um hiermit allerdings nicht zu sagen, dass er besonders heraus sticht aus diesem völlig homogenen und in meinen Ohren nahezu perfekten Gesamt- „Konzept“-Werk. Der Song wäre „Panic Switch“ und der für mich besondere Aspekt dieses Songs ist wieder einmal das Bassspiel. Ein fantastischer, simpler Basslauf, der sich durch den gesamten Song hindurch zieht. Teils klar im Hintergrund, teils alleine, bis Aubert einsetzt „I’m waiting, fading, floating away“. Danach geht’s über in ein Gitarrensolo, das irgendwie wirkt, als wäre es absichtlich nicht allzu aufregend um ja nicht von der hypnotisierenden Wirkung des Basses abzulenken. Am Ende des Liedchen läuft es dann so, dass sogar die Gitarre den Basslauf adaptiert und Miss Monninger hat sich mal wieder auf lange Zeit in den Gehirnwindungen festgesetzt.

So lief es bei mir. Und lief es das gesamte Album durch. Ich kann meine Finger nicht mehr davon lassen! Es läuft ständig. Auch heute wieder. Tipp: lasst es im Auto laufen und laut! Dann knallts auch bei euch. Falls es das nicht schon längst hat, denn: das Ding ist aus April 2009.

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