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13.06.2010 Autor: jenkkkk

Deftones - Diamond Eyes

Vorab der Veröffentlichung des neuen Albums fragte man sich, was diese Band die schon alle Variationen an Powerchords verwurschtelt, die 2000er New Metal Generation angeführt und schon längst Titanenstatus im Rockbiz besitzt, noch zu sagen hat. Dazu kam noch, dass Chi, der langjährige Basser und Deftonesmitbegründer etwa ein Jahr zuvor einen schweren Autounfall hatte und noch immer im Koma liegt. Ersatzweise hat Dominic Garcia (Ex- Quicksand) seinen Platz eingenommen. Das bereits halb angefertigte Album „Eros“ liegt nach dem Unfall von Chi auf Eis. Hofft man sehnsüchtigst, ihr Freund würde bald aus dem Koma erwachen und das Werk mit ihnen zu Ende bringen. Statt in Trauer zu versinken, haben sie in nur 6 Monaten „Diamond Eyes“ aufgenommen. Kann das gut gehen? Soll man an den Tones zweifeln? Niemals! Wurde ihr letzter Output von der Kritik nicht gerade mit Lob getadelt, wusste man, diese Kritik bezog sich in Relation zu ihren älteren Platten. Denn mit wem soll man sie denn vergleichen? Die Deftones sind ein unverkennbares Wahrzeichen in der Alternative Szene. Sagte man „Saturday Night Wrist“ (2007) wäre etwas flau ausgefallen, meinte man in Wirklichkeit: eine durchwegs gute Platte mit altgedienten Deftoneselementen. Doch würden ihre Kopfnickergrooves auch für die nächste Platte noch immer frisch klingen oder bekämen wir etwas komplett Anderes serviert? Im Netz konnte man sich einen Monat vor Erscheinen des Albums, die erste Single anhören. Schuster bleibt ja zum Glück bekanntlich bei seinen Leisten. Die Gitarren von „Rocket Skates“ schnurren bedrohlich, das Schlagzeug lässt nichts anderes zu, als den Kopf auf und ab zu bewegen und Chino Moreno ächzt und kreischt sich wie gewohnt durch diesen Knaller. Jedoch wie ihr Sound hat Chino Moreno ein paar Falten angesetzt. Egal, steht beiden gut, so gut wie reifer kalifornischer Wein aus Maynard James Keenans(Tool) privaten Weinguts. Tool haben ebenso eine schwere Bürde nach ihren perfekten Weinen ... eh ... Alben wie „Ænima“ (1996) und „Lateralus“ (2001) zu tragen, wie die Deftones mit ihrem Überwerk „White Pony“ von 2000. Einen Monat später halte ich nun den Longplayer in meinen Händen. Ebenso wie „Rocket Skates“ lässt die zweite Singleauskoppelung „Diamond Eyes“ und gleichzeitig der Opener der Platte keine Überraschungen zu. 100% Deftones. Präzise gespielte Riffgewitter à la Meshuggah, die in einen hymnischen Refrain münden. „Cmnd/Ctrl“ erinnert an Spätwerke von Helmet und lässt wieder durchblicken, wer die Deftones am meisten beeinflusst hat Neben den üblichen Brachialwundern, die eine Deftones Platte zu bieten hat, gesellen sich wunderschöne Semiballaden wie „Beauty School“ oder „Sextape“ dazu. Ersteres schwebt erhaben durch den Raum. Chino appelliert mit sanfter Stimme an die, durch ausgeklügelte Marketingstrategien geklonten Heidi Klums dieser Welt:“I like you when ... when you take off your face ...“.Das aber vielleicht innovativste Stück der Platte ist „This Place Is Death“ . Endlich wird auch mal herumexperimentiert. Hypnotisch wird der Song von Chino's, für seine Verhältnisse ungewöhnlicher Gesangslinie, vorangetrieben und nach knapp dreieinhalb Minuten faded das Stück in einem Gitarrenecho aus. Schluss aus, wieder einmal wurde genug gesagt seitens dieser 4 alten Herren. Mir bleibt nur anzumerken, dass dies wieder ein Deftones Jahr ist. Es wird schwer Ihnen die Krone vom Haupte runter zu reißen, es sei denn, Tool bringen heuer noch nach „150 Jahren“ wieder einmal ein Album heraus.

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