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07.11.2007 Autor: dennis_hoh03

Die Ärzte - Jazz ist anders

"Wir sind die Besten"... Bescheidenheit hat die ärzte noch nie ausgezeichnet. Dafür werden sie von den Fans geliebt. Aber wer sich so weit aus dem Fenster lehnt, muss wohl auch mit einer ordentlichen Breitseite rechnen, wenn die Erwartungen mal nicht erfüllt werden. Und das scheint bei vielen Rezensionen der Fall zu sein. "Auflösen bitte" oder "Lied vom Scheitern: Das passt" sind Aussagen, die in nicht wenigen Kritiken auftauchen. Dabei fällt auf, dass sich weniger mit dem tatsächlichen Inhalt, sondern vornehmlich mit Verpackung und Layout beschäftigt wird. Ganz originelle Sprachakrobaten reden da von "Zu viel Käse auf der Pizza". Außerdem ist das Album an sich auch nicht lustig genug und alles in allem natürlich den hohen Ansprüchen nicht gewachsen. Wer so weit oben ist kann eben auch tief fallen. Beim ersten Hören bleibt tatsächlich erst mal ein irritiertes Staunen. Spätestens nach dem dritten Durchlauf aber stellt sich dann doch ein zufriedenes Gefühl ein. die ärzte haben ein Album gemacht, das für sie im Sound ungewöhnlich stimmig ist. Schwächere Songs sind sicherlich vorhanden. "Breit" kann auch nach mehreren Durchgängen nicht überzeugen. Melodie und vor allem der bemüht wirkende Text zünden nicht. Auch das "Lied vom Scheitern" berührt mich persönlich weder textlich noch musikalisch. Das ist aber lediglich Jammern auf hohem Niveau. Höhepunkte gibt es hingegen reichlich. "Lasse redn" sticht hervor und dürfte bei Auskopplung eine sichere Nr.1 werden. ...Wenn man das denn will (man erinnere sich an "ein Schwein namens Männer). "Die ewige Maitresse" rockt und die AC/DC-Glocke vor "Allein" verspricht nicht zuviel. "Nur ein Kuss" reiht sich nahtlos in Farins traurig-schöne Balladen ein und dürfte auf der Tour für viele Feuerzeuge im Publikum sorgen. Mit "Perfekt" hat auch Bela B. wieder einen echten Hit abgeliefert. Haben mir Rods Stücke auf "Geräusch" noch mit am besten gefallen, überzeugen sie mir auf "Jazz ist anders" leider am wenigsten - was aber nicht heißt, dass sie schlecht sind. Einfach "weniger gut". Insgesamt also ein tolles Album, nicht nur trotz sondern auch wegen des anfangs ungewohnten Sounds. Da ist man jetzt schon gespannt was da noch kommen mag...

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