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02.08.2007 Autor: SENNI

Bright Eyes - Cassadaga

Die Frage, die sich so manchem nach den letzten beiden Bright Eyes-Platten stellte, war einfach: Geht es noch besser? Die Frage, die man hinterherschieben durfte, ebenso: Muss es das überhaupt?

Conor Oberst hat in den letzten 10 Jahren eine unglaubliche Entwicklung hingelegt, von zerfahrenen Songskizzen eines Teenies hin zu Liedern bei denen jeder Sound, jeder Ton und jedes Wort an seinem Platz ist. Nun ist endlich die neue Platte da - und die Spannung war groß. In welche Richtungen würde es weitergehen? Die Antwort: In alle und keine.

"Cassadaga" ist das austarierteste, ebenmäßigste und perfekteste Album der Bright Eyes, unverkennbar großartige Songs werden geschliffen und poliert, bis sie unter dem Glanz von Orchestern und Backgroundchören beinahe nicht mehr zu sehen sind. Wem die Schroffheit eines "Lifted" zu arg war, darf sich hier wie zuhause fühlen. Auf "Cassadaga" rumpelt und knarzt es nicht mehr, vielmehr werden die Lieder kostümiert, so dass man beim ersten Hören sich gar nicht vorstellen kann, einige Songs nackt zu sehen. Conor Oberst wagt wenig auf diesem Album. Bekannte Zutaten, bekannte Strukturen, sogar das Intro klingt wie eine HiFi-Fassung älterer Bright-Eyes-Intros.

Das ist schade. Denn gerade in den zurückgenommenen Momenten entfaltet "Cassadaga" seine ganze Schönheit: "No one would riot for less" und "Lime Tree" sind Lieder für die Ewigkeit. Andere Songs, wie das beschwingte "Everyone must belong Somewhere" wirken latent überproduziert.

"Cassadaga" ist ein schönes Album - mal leise, dann wieder lauter, hin und wieder gar an der Grenze zur Beliebigkeit. War man sich bisher bei Bright Eyes sicher, nicht enttäuscht werden zu können, muss man sich nun auf eine neue Situation einstellen und sich fragen, ob man Conors Weg weiter begleiten will.

Ich bin dabei - zum ersten Mal aber mit einem Finger auf der Skip-Taste.

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