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10.04.2007 Autor: PITCHER

Nine Inch Nails - Year Zero

Man kann Trent Reznor nicht vorwerfen, dass er mit „Year Zero“ vorhatte, Erwartungen zu erfüllen. Nach der für Nine Inch Nails-Maßstäbe kurzen Zeit von 2 Jahren legt uns der Meister ein Werk vor, das sich anhört, als hätte er über all die Jahre die besten Ideen und schrägsten Sounds hierfür zurückbehalten. Dabei wird der geneigte Hörer anfangs eher etwas hingehalten; folgen doch nach dem spektakulären Opener „Hyperpower (ein wahrer Ruf zu den Waffen!) zunächst zwei, drei Stücke, die man als besseren NIN-Standard durchgehen lassen könnte. Dabei zeigt uns Reznor, dass er sich durchaus gekonnt in Gelassenheit üben kann ohne gleichzeitig ins Belanglose abzudriften. Die Sounds des Albums sind durchweg als gekonnt abgedreht und richtungweisend zu bezeichnen. Abgefahrene Beats, die in den schrägsten Momenten durchaus an Aphex Twin erinnern, verschmelzen mit durch den Wolf gedrehten Instrumenten und Geräuschen zu einem organischen, riesengroßen Etwas, von dem man den Eindruck gewinnt, dass es im Verlaufe der Produktion die Herrschaft über den Verursacher übernommen hat. So gleiten hypnotische, zurückgelehnte Beats in „Me, I’m Not“ in schräge Noise-Orgien hinüber (oder auch mal nicht, wie in „Greater God“) und ruhig-flockige Strophen gipfeln in Krach-Refrains („My Violent Heart“). Stücke wie „Warning“ oder das Ende von „Great Destroyer“ zeigen, dass man auch ohne kalkulierte Ausbrüche Chaos erzeugen kann und stellen Lautsprechermembrane vor fast aussichtslose Aufgaben. In Punkto „Auf-die-Zwölf“ haben sich NIN tatsächlich zurückgenommen, wirken aber dennoch, oder eben gerade deshalb, irgendwie gewaltiger denn je. Gewohnt besinnliches gibt es in „Another Version of the Truth“ und in „Zero Sum“. Mit zu den interessantesten Stücken zählt zweifelsohne „Great Destroyer“, wo beinahe poppige Gesangsmelodien vor fiebrig-nervöser Geräuschkulisse dargeboten werden, ehe nach fast zwei Minuten alles zerlegt und mit dem Panzer überfahren wird. Nach mehrmaligen Durchhören des kompletten Albums bin ich der Meinung, dass uns der Meister hier sein bis dato größtes Werk vorgelegt hat. Unvorstellbar, wie er das noch toppen soll! Ob der Titel „Year Zero“ programmatisch gemeint ist oder nicht: Hier werden neue Maßstäbe gelegt, an sich selbst und an den nun irgendwie hilflos klingenden Rest der Musikwelt. Ein Album, das für sich steht, nicht für eine Kategorie oder einen Trend. Wer mehr als nur zeitgemäß klingen will, wer neue Standards setzen will, wird sich an „Year Zero“ messen lassen müssen. Liebe Leute…willkommen im Jahr 0!

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