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26.10.2006 Autor: moorely

Deftones - Saturday Night Wrist

Dass die Deftones kein leichter Brocken sind, haben sie mit ihrem bisherigen Schaffen ja schon zur Genüge bewiesen. Angefangen als eigenständige New-Metal Band haben sie ihren Sound bei "Around The Fur" immer weiter verfeinert und mit "White Pony" schließlich perfektioniert. Dieses Meisterwerk gilt heute noch als eines der intensivsten und besten Rockalben der letzten Jahre, welches unter anderem durch das ständige Spannungsfeld zwischen Sänger Chino Moreno und dem Rest der Gruppe entstanden ist. Beim vierten Album gab der Frontmann dem Druck der anderen schließlich nach - und so entstand zwar eine solide Scheibe, die allerdings gleichzeitig Stillstand, ja sogar Rückschritt markierte. Die Folge: Chino ließ seine Band während der Aufnahmen zum jetzigen Album einfach sitzen und nahm sich mit seinem Zweitbaby Team Sleep eine Auszeit - mit ungewissem Ausgang.

Zum Glück für uns alle haben die Jungs aus Sacramento noch einmal zusammen gefunden - denn das, was sie mit der neuen Scheibe abgeliefert haben, zeigt einmal mehr, dass man mit dem Rücken zur Wand doch meist am besten ausholen kann. Konnte man beim letzten Album doch ein wenig Lustlosigkeit raushören, sind das Feuer und die Leidenschaft jetzt wieder zurück. Den Beginn markiert die erste Single "Hole In The Earth", welche gekonnt die Zerrissenheit während der Aufnahmen wieder gibt. Zerrissen wirkt die ganze Platte ein wenig: Auf das heftige "Rapture" folgt das drückende "Beware", auf welches das in den Strophen fast schon verträumte "Cherry Waves" ansetzt. Doch genau diese Rissigkeit macht am Ende den Reiz der Platte aus.

Markenzeichen sind immer noch die tonnenschweren Gitarren-Riffs, das messerscharfe Schlagzeug und natürlich der Gesang bzw. das Geschrei von Chino. Was diese Scheibe heraushebt, ist die riesige Vielfalt, die sich oft in vielen kleinen Details widerspiegelt. Ein fast schon Mogwai-artiges Instrumental wie Track 6 wäre früher wohl eher undenkbar gewesen. Aber ins Gesamtbild passt es dann genauso gut die eingebettete Pianoeinlage in "Xerces", die Tempowechsel bei der Dampfwalze "Rats! rats! rats!" oder der Elektroniksong "Pink Cellphone", welcher schon fast auf einem Discobeat aufbaut und wohl von der Team Sleep-Phase inspiriert wurde. Zuviel des Guten? Keineswegs, außerdem gibt es gegen Ende mit "Combat" und "Earth" noch zwei relativ leicht verdauliche typische Deftones-Kracher, die aber nicht minder großartig sind. Das Ende des Feuerwerks bildet schließlich das getragene "Riviere", das sowohl für die Band wie auch für die Fans die versöhnliche Hand sein dürfte.

Toll ist das! Ich habe nach dem letzten, eher durchschnittlichen Album 2003 und den Problemen der Mitglieder untereinander nicht mehr damit gerechnet, dass da noch einmal was richtig Gutes kommt. Aber so kann man sich irren, denn hier ist er endlich - der würdige Nachfolger von "White Pony"! Die Deftones sind nach mageren Jahren wieder voll auf Augenhöhe mit den anderen Größen der Rockszene des neuen Jahrtausends. Daher ist es auch kein Zufall, dass gerade System Of A Down-Sänger Serj Tankian bei "Mein" ein paar Vocals beisteuert - die beiden Bands sind einander in ihrem Gesamtschaffen durchaus wieder ebenbürtig - seit dem Erscheinungstag von "Saturday Night Wrist"!

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