12.05.2006 Autor: steffenboy

Tool - 10,000 Days

anders bei tool. eins vorweg, "10,000 Days" ist wieder ein album, was maßstäbe setzt. dieser wurde im genre bislang vom tool'schen vorgänger "Lateralus" gesetzt und wird mit dem neuling künstlerisch gekrabbelt. es dürfte klar sein, dass es schwer ist, derartige monsteralben wie sie tool alle paar jährchen wieder abliefern, zu toppen. auf jeden fall gelingt es den 4 musikalischen genies, ein athmosphärisch dichtes, entzückent mitreißendes und knochenhartes ablum scheinbar aus dem ärmel zu schütteln. alles schön verteilt über einen vollgepackten silberling. wie bei jedem tool-release kommt der erste durchlauf eher unbefriedigend vor, baut sich aber gekonnt mit jedem hören auf. man enddeckt dinge, die man scheinbar noch nie zu vor mitbekommen hat, welche, die sich nur unterschwellig in die gehörgänge schlichen. "Vicarious", seines zeichens opener-single glänzt nicht nur durch intensives drumming, sondern auch durch einen sehr smooth-groovigen bass, der wohl als jazzbass angefangen hat und 2001 "Schism" gefressen hat. stilvoll-innovatives zitieren will ich das mal nennen. MJK sabbelt ein wenig gedrückte schüttelreime bis er im refraindings mehr und mehr auszubrechen droht. "Jambi" ist auch keinesweges ein klingeltonfreundliches monophon-gedudel, sondern ein effektreiches gitarrengeschrädder, in dem Adam Jones so einiges aus dem multi rausklopft. natürlich vervollständigt durch Keenans schmachtend feine stimme und den instrumentalischen erguss Careys und Chancellors. Mit "Wings for Marie" und "10,000 Days (Wings Pt. 2)" hat man ein zerteilte zentralstück des albums, was zum erste mal "ruhe" ins geschehen bringt. scheinbar komplexarme musik, trauernden gesang und donnerwetter wird hier ein unter die haut gehendes meisterwerk aufgestellt, in dem MJK die geschichte von Marie, seiner mutter verarbeitet. mit "The Pot" kommt wieder ein leicht "Undertow"/"Ænima"-ähnliches musizieren tools, mit einem sehr speziell hohen gedudel keenans. wer weiß, wie viel daran rumgebastelt wurde, aber es lässt einem auf jeden fall den mund weit offen stehen. ein unglaubliches hörerlebnis, was sich bei dem ein oder anderen sicher als highlight der ohnehin schon atemberaubenden platte herausbilden wird. auch wenn man textlich echt im regen steht, wenn man nicht die tool'sche dichtung begreift. ein mehr oder weniger nicht erwähnenswertes interlude lässt in ein intro münden, welches ein gespräch zwischen arzt und schwester eröffnet, welches zum patienten in "Rosetta Stoned" mündet, der sich dann adrenalingeladen und flehend entleert. effekthascherrei mit hartem instrumentalgenknüppel. fast minütlich wechseln takt, gesangseffekte und melodie. ein atemberaubendes hypervendilieren im wachkoma, so als würde man selbst die hand des verwirrten patienten halten, wärend seine den ihren kragen packt und in die augen starrt. gläsrig gruselig wird man gebittet, ihm zu helfen und zu glauben. um es mit den worten von alexander klaws zu sagen : "gänsehaut...reibend". Den abschluss bilden dann das "Disposition"/"Reflection"Intro mäßige "Intension",sich stetig aufbauender traum "Right in Two" und einem tool konzepttipischen ending. im ganzen haben sich tool sicher nicht neu erfunden, aber gekonnt ihre alten stärken mit neuem vermischt. die 5 jahre abstinenz haben sich insofern also gelohnt, dass man wieder ein album für die ewigkeit bekommen hat. ein wenig putzig sind vieleicht die 3D-bilder und linsen an dem digipack, aber das stempeln wir mal unter künstlerischer freiheit ab. das musikalische niveau hingegen bleibt top.

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