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25.03.2006 Autor: REALGOLDI

Motorpsycho - Black Hole/Blank Canvas

... da dachte ich, ich hätte mit Ihnen als der Visions- und Tip-Motorpsycho-Spezi einen Partner im Geiste gehabt. Nun ja. Irren kann man sich. Ich weiß aber nicht genau, was Sie an diesem Werk nun eigentlich auszusetzen haben. Ich nehm mir mal Ihren O-Ton vor:

"... Dennoch muss sich selbst der erklärter die hard-Fan die Frage gefallen lassen, wem die verbliebenen Bandmitglieder Bent Sæther und Snah Ryan mit dieser nach hinten heraus langatmigen"

HÄH??? You Lose??? Before The Flood ???

"Songsammlung einen Gefallen tun. Ihren Oldschool-Fans, die auf ein weiteres Spacerock-Doppel-Opus à la "Trust Us" oder "Timothy’s Monster" wartet?"

JA! Obwohl... erwartet hätte ich nichts. Erst seitdem ich das neue Album kenne, weiß ich, wie sehr ich das eigentlich vermisst habe.

"Nur bedingt, denn dazu fehlt es nicht nur an klanglicher und dynamischer Majestätik,"

UNSINN. Der Sound ist zugegeben weit von der Brillianz der letzten Alben entfernt. Aber das ist eine künstlerische Entscheidung. Rotz und Krach regeln.

"sondern eben streckenweise auch an Substanz"

GANZ UND GAR NICHT.

"Denjenigen, die die Halse in Richtung Sixties-Zuckerbäcker-Pop mit "Let Them Eat Cake" beklatschten? Kaum. Sowohl beseelte Streicher- als auch Bläser-Arrangements sucht man vergebens."

Richtig. Ich liebe "Cake", ich mochte "Phanerothyme" und "Love Cult" (streckenweise). Aber weiter in diese Richtung hätten MPsycho kaum gehen dürfen.

"Am ehesten wohl noch sich selbst: So undurchsichtig und rumpelig-spröde der Sound, so rückschrittlich manches Lied auch sein mag – die Gaudi am schrankenlosen, von sämtlichen die eigene Performance hemmenden orchestralen Elementen bereinigten Musizieren quillt dieser düsteren Platte aus jeder Pore."

DAS IST DER PUNKT. Deswegen ist dieses Album so groß. Und: bewundernswert, wie dieses Album ein spontanes Live- und Jam-Flair transportiert, obwohl es sich ja nur um Mehrspuraufnahmen handeln kann.

"Und selbstredend finden sich auch kompositorisch große Momente, die brüchig swingende Melancholie-Hymne "The 29th Bulletin" zum Beispiel, das an beste "Bissard"-Zeiten erinnernde "Sancho Says" oder der unbekümmerte Abschluss-Rocker "With Trixeene Through The Mirror, I Dream With Open Eyes". Überhaupt der komplette, ungestüme Album-Einstieg um das Power-Pop-Schnittchen "In Our Tree" herum, der nahezu alles vereint, was die Norweger auszeichnet."

Lustig: In jeder Rezension, die ich lese, werden andere Highlights herausgehoben. Ein Zeichen für die durchweg sehr hohe Qualität der Songs. Ich möchte noch Devil Dog, You Lose, Hyena, Before The Flood und Critical Mass als echte Göttersongs hervorheben.

"Stoisch stampfen Elefantenherden über staubiges Steppengras, wühlt Saethers pumpender Bass, schlagen Ryans Vintage-Soli enthemmt Haken."

JA VERDAMMT!!! WARUM SOLL DAS NICHT DIE TOTALE GEILEREI SEIN???

"Dennoch bleibt die Einsicht: Zum (nach "Phanerothyme") zweiten Mal in ihrer Karriere bewegen sich Motorpsycho in Richtung bereits beschrittener – und zwar meist hochklassiger beschrittener – Pfade. Was am Ende doch ein wenig traurig stimmt."

WIESO? Motorpsycho spielen all ihre Trademarks auf dieser wirklich sehr selbstreferenziellen Platte aus. Und so gut waren sie nicht mal auf "Trust Us". Warum muss eine Band immer was "Neues" bieten? Reicht es nicht, dass sie die Welteinzigen sind, die SO eine Musik SO GUT spielen können?

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