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22.11.2005 Autor: steffenboy

System Of A Down - Hypnotize

wie schieden sich doch die geister an den vorhaben SoaDs statt einem neuen album, oder den gar utopischen gedanken ein doppelalbum zu veröffentlichen, man diese vorhaben insofern den strich durch die rechnung gemacht hat, dass man ein vollgestopftes album einfach mal teilt. geldmacherei? vieleicht, aber dann jedoch derart überzeugend, dass man schon fast wieder sagen muss: sollte öfter mal sein. so hört man mehr oder minder knackige alben mehrfach im jahr und hat desöfteren seinen spaß. deswegen heißen SoaD ja nicht The Mars Volta. denn kompackt und energiegeladen wirken SoaD wohl immernoch am besten. nehme man mal mini-epen wie "Mind", "Lost in Hollywood" oder vom neuen Album "Holy Monutains" außen vor. diese machen auch sicher keinen schlechten eindruck, glänzen aber dafür durch struktur und melodie, die mitreist. ein 5min "X" oder "Bounce" vom megaseller "Toxicity" würden sicher noch nicht mal hartgesottene SoaDfanatiker aushalten. "Attack" heißt es zu beginn und besser hätte diese "Sad Statue"-anleihe auch gar nicht heißen können, denn bei solch einem einstieg wird man gleich vom stuhl gefegt um im nächsten moment durch die sanften gesänge Tankians und Malakians aufgefangen und wieder aufgerichtet zuwerden. die aber nur, damit man in der nächsten sekunden wieder niedergeschrammelt wird um dann bis zum mitreisenden refrain und den operngesängen von zB "Dreaming" wieder sich aufrappeln muss. dann klimpern die orientalischen klänge um die ohren und Malakian sagt zurecht "Someone kicked me out of my mind, I hate these thoughts I can't deny." doch hier muss man diese nicht hassen, sondern einfach nur wirken lassen: das ist ganz großes tennis. mit "Kill Rock'n Roll" hat man auch ein schenkelklopferpendant zu "Cigaro". der hintergrund ist durchaus interessant, wenn auch völlig sinnfrei. der titeltrack stellt wieder eine nette melodie mit klasse sangessynthese dar und wird hier und da mit orientalischen klängen unterlegt. man müsste fast meinen: System halt, doch dahinter steckt noch mehr. "Yeah, oh right, yeah, alright!" hier bleibt man mal straight wie so schön gesagt werden kann. dabei untermalt Serj wieder mal perfekt den quietschig schönen Malakian, wie Batman und Robin...und so klingt es auch, ganz im positiven sinne, bis man dann in das wohlmögliche highlight geleitet wird: "Tentative" - harte und schnelle dampfhammerstrophe, mitreisender refrain und unglaublich schönes interlude. man kommt sich vor, als würde man auf einem hohen berge, frei von allem, die arme vonsich gestreckt und augen geschlossen, am gipfel posieren. traumhaft, bis man von SoaD förmlich in den abgrund gestoßen wird, man auf schienen landet, wo man folgedessen von der "U-Fig" überrollt wird und man augenblicke dem tod in die augeb sieht und das leben an einem vorbeizieht. klingt nach einem film, klingt pathetisch kitschig? nein, aber das gefühl wird einem sehr positiv übermittelt. zeitweise jazzig wird's bei "Vicinity of Obscenity", wenn Serj Tankian "Banana Terracotta Pie" bäckt. da stößt einem inhaltlich das verwirrende "This Cocaine makes me feel like I'm on this Song" und musikalisch "Question!" auf. zumindestens streckenweise und dazu noch nicht mal negativ. "She's like Heroin" bildet ein groovigen rocksong mit Daron's gewollt verzogenen atmospheregesang wie auf "Oldschool Hollywood" gefolgt von einer schmalzig schönen ballade "Lonley Day", welche durchaus klanglich das "Lost in Hollywood" von "Hypnotize" sein könnte, hätte man nach weniger als 3min nicht gesagt hätte stop. ein fieben und "B.Y.O.B"...nein, quatsch, "Soldier Side". verspricht das Intro auf "Mezmerize" noch großes kino, wird man hier mit nettem musikalischen aufgebot zwar irgendwo bezückt, aber im gesamtbild ein schwaches ende mit einem derartig auf die tränendrüße drückendem mitleidsgedudel. dann noch der unpassende übergang zu bekannten tönen...das ging am ziel vorbei. zwar wurde in gewisserweise die einheit geschaffen, doch dies auf einen denkbar schwachen weg. schade eigentlich. wenn man "beide" alben getrennt betrachtet und die mageren spielzeiten vernachlässigt, darf "Hypnotize" selbstbewusst hinter "Mezmerize" hervorschauen, doch nicht nach vorn treten. auch wenn eine erstklassige synthese aus allem, was SoaD ausmacht mit "Hypnotize" geschaffen wurde, kann es hier dem siamesischen zwilling "Mezmerize" nicht das wasser reichen. aber die trennung der beiden kann fatal sein, deswegen lässt man sie zusammen. besser so, denn als eines betrachtet haben wir hier ein anwärter auf's "Album des Jahres". man sagt ja: ohne seinen zwilling kann man nicht überleben. und da kommt die nette idee des zusammensteckens und entstehen von formen und farben gerade recht, da haben sogar die bastler unter uns spaß dran. kleine warnung: wenn man nicht gerade zu viel geld hat: finger weg von der DUAL DISC version. sie passt nicht nur optisch nicht in das album, sonder die dvd seite ist mehr als mager. 2 videos zu "B.Y.O.B." und "Question!", das album in unbrauchbarem Enhanced Stereo und eine relativ kurze reportage über die aufnahmen des doppeldeckers. vorallem letzteres ist nett und schön gemacht, aber rechtfertigt keinesweges einen kauf, sollte man dafür um einiges drauflegen müssen.

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