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15.11.2005 Autor: viaorbi

Therapy? Immer noch eine stille Referenz in Sachen Alternative Metal

Immer noch eine stille Referenz in Sachen Alternative Metal Bewertung: 11/12
Artistprofil von Therapy?

Heute faktisch noch eine Messlatte des Alternative Metals, haben Therapy? nach 'Troublegum' nie mehr dessen Erfolg erreichen können. Grund könnte der zu sehr ins Mainstream geratene Nachfolger 'Infernal Love', und die damit verbundene Ungläubigkeit der Therapy?-Fans in deren Authentizität sein. Oder einfach nur, weil sie sich mit 'Troublegum' nahezu selbst übertroffen haben. Als ein Phänomen des Metal Rocks, ist 'Troublegum' ein geradlinig, spektakuläres und powervolles Album. Dicht zusammen gepresst auf gerade mal 40 Minuten, hat jeder der Songs seine eigene Schärfe und demonstriert, dass 'Nurse's Versprechen keine Finte war. Chris Sheldons Arbeit hinter dem Mischpult ist eine gute, denn er behandelt jedes einzelne Instrument für sich selbst und verzichtet auf die überflüssigen Effekte, die noch auf 'Nurse' zugegen waren. Fyfe Ewing und Michael McKeegan machen eigentlich das, was sie zuvor auch getan haben; nämlich bei ihren stampfend harten und eintönigen Rhythmen zu bleiben, was aber nichts schlechtes bedeutet. Ganz im Gegenteil: die Klarheit ihres Zusammenspiels steigert die gesamte Effizienz und bewegen den Hörer immer wieder zum Headbangen. Oder auch einfach nur zum Mithüpfen. Andy Cairns zugleich bissige als auch melodiöse Stimme scheint sich von Song zu Song zu steigern. Auch sein Gespür für das Melodiöse zwischen all den harten Riffs scheint gigantisch und man kann sich dem auch nicht entziehen. Außer man ist taub. Gleichzeitig wirkt seine Gitarre wie eine Wand aus Metalriffs gegen die er anzusingen scheint. Harsche Kritiker mögen sagen, dass die Riffs zu sehr Metal und damit auch vorhersehbar seien, was aber unfair wäre, es so isoliert betrachtet stehen zu lassen. Auf der einen Seite könnte man sie als zu 'schlicht', und auf der anderen als zu 'fokusiert' bezeichnen; wobei letztere Behauptung wohl eher zutreffend wäre. Jedoch ist Therapy?s Songwriting eher sehr direkt und die Band beendet ihre Songs lieber nach 3 Minuten, anstatt unnötige Schnörkel und Filler oben drauf zu klatschen. Diese Geradlinigkeit zeichnet das Album aber wiederum aus. All ihre Lieder sind komplett durchdacht und feinfühlig komponiert, ohne sie unnötig zu verfremden. Das sind Therapy?, das ist deren Musik. Von daher ist das Album wohl alles andere als ziellos, was ihnen aber leider immer wieder vorgeworfen wurde, bis zum heutigen Tag. Das Album hat viel mehr Variationen und Abwechslung als man denkt. Man entdeckt sie aber nur, wenn man bereit ist sich dafür zu öffnen. Umso mehr man das Album hört, desto mehr merkt man, dass sich kaum ein Lied wie das andere anhört, vielmehr passen alle zusammen und bilden mit 'Troublegum' als Ganzes ein Stück Geschichte, eine Referenz im Metal-Bereich. "Screamager" und "Nowhere" sind noch heute unwiderstehliche Metal-Hymnen, die aber auch eingängige Popmelodien haben. Unüberhörbar ist auch der Einfluss von Joy Division, hier als Cover dessen Songs "Isolation", der Tribut an die Band zollt und zugleich den Track zu Metal-Rock umwandelt. Auch "Unrequited" bleibt nicht unbeachtet, mit seinem durchschüttelndem Riff, der gleichzeitig mitggeschliffen wird von dem gewaltigen Cello von Martin McCarrick.

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