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24.05.2005 Autor: mrstickemupcide

System Of A Down - Mezmerize

Nee, kann echt keena. Von den irren Hochgeschwindigskeitrhythmen + Gesangsmelodien bis zu dieser unheimlichen Melodiosität, die nun immer dabei ist, agieren System Of A Down von vorne bis hinten wie eine feste, verschweisste Einheit, wie ein einziger Mann. Und der ist ein Poet, gleichzeitig aber auch ein manisch-depressiver Massenmörder, der in seiner Zelle auf- und absprint, mit der Überzeugungskraft eines Hannibal Lecter und dem Wahnsinn, den fünf Grindcorebands erstmal schwer erreichen können. Machen mers mal Track by Track: am Anfang steht das bedeutungsschwangere Intro "Soldiers Side", von den Harmonien und der Simplizität remineszent zu "Major Lance" von den Masters Of Reality. Nur bei denen stand das Ding net am Anfang. Egal. BYOB geht los mit Gitarren in Maiden-Geschwindigkeit, dann kommt n bisschen Slayer dazu, bevor die Band wieder in ein Standard-Ding von ihnen verfällt. Besonders schön: die Gitarrenarbeit. Riffs scheidet der Malankian nun via Amp aus wie ein Blauwal mit Durchfall, gefällt erstmal, obwohl der Text mal wieder zu politisch ist. "Revenga" ist da schon besser: ein Ohrwurm alter SOAD-Machart mit Hammerbridge am Ende. Radio/Video liefert ein paar sympathische Reggae-Rhythmen, bevor´s wieder ans shreddern geht. Muss ja sein, als Kontrast. "Cigaro" ist natürlich zum Ablachen, wenn man das gut findet. Gemacht wie alter Metal, Slayerriffs und dann: 'My cock is much bigger than yours/my shit stinks much better than yours'... gar nicht schlecht. Ein paar Zapparhythmen und dieser kubanische Dancehall-Kram, den man bei SOAD in jedem Song hört. "This Cocaine Makes Me Feel Like I´m On This Song" kann man eigentlich skippen, obwohl der Titel natürlich geil ist. Da man das bei der Band aber eh über jedes Lied sagen könnte, ist das egal. "Violent Pornography" dann, vom Text her Scheisse (Kritik am Fernsehen? Is ja mal was neues. Das können Limp Bizkit auch) und musikalisch gibt´s auch nichts weiteres zu holen. Hätte auch auf "Steal This Album" sein können (welches ja übrigens eher "Use This Album As A Frisbee" hätte heissen sollen). "Question" versucht "Atwa" nachzuahmen, kommt dann aber doch stärker in den Metal rein. "Sad Statue" bietet bekanntes, nuff said. Dito für "Old School Hollywood" mit zumindest nettem Text. "Lost In Hollywood" ist dann wieder gut, weil es zeigt, dass SOAD den berüchtigten Laut/Leise-Kontrast gar nicht SOO nötig brauchen. Am Ende bleibt ein Album mit ein paar guten Riffs und Melodien, die´s aber alle schon besser auf "Toxicity" gab. Da stellt sich die Frage, warum man das Teil noch hören soll? Wenn Nirvana nach "Nevermind" ein Album gemacht hätten mit den exakt selben Komponenten, und nicht "In Utero", wären sie dann eine bessere Band gewesen? Nee. System Of A Down haben zwar ein weiteres gutes Album abgeliefert, dass durchaus auf "Toxicity"-Niveau liegt, aber warum auf dem Gebiet weitermachen, wenn man schon das beste Album für den Stil gemacht hat? Alles, was man auf "Mezmerize" hört, gab´s auf "Toxicity" genauso. Nur besser. Wenn SOAD an ihrem Sound nichts ändern, werden sie irgendwann genauso sein wie Linkin Park.

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