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29.03.2004 Autor: terrortourist

Sportfreunde Stiller Keine Fehlgeburt

Da ist er also, der „Burli“ der Sportfreunde. Etwas skeptisch war ich schon, angesichts des pseudo-nachdenklichen und sehr trägen „Siehst du das genauso?“, der wahrscheinlich schlechtesten Sportfreunde-Single aller Zeiten.

Doch die anfängliche Skepsis ist schnell verschwunden. „Lauth anhören“ heißt der erste echte Track des neuen Albums und zeigt eindeutig die Stärken der Sportfreunde. Erfrischende Melodien, eingängiger Refrain und relativ flottes Tempo. Die Sportis sollten nur Songs wie diesen schreiben und auf Balladen am besten komplett verzichten, wie der böse Ausrutscher „Was ich behaupten kann“ zeigt. Der Text bewegt sich hier auf Musikantenstadl-Niveau und selbst Karl Moik himself hätte das gesanglich wahrscheinlich besser hingekriegt. Um es mit den Sportfreunden zu sagen: „Einspruch meine Herren, Protest meine Herren“, so geht es nicht.

Aber wie der Peter schon selbst in „Frühling“ (übrigens auch ein schöner Song) feststellt: „Man kann nicht nur traurige Lieder singen“. Richtig so. Die straight-forward-Hymne „Wir kommen“ erinnert mit der Aufzählung der ganzen Städte entfernt an „Ein Lied für dich“ von den Ärzten und wird bei den anstehenden Konzerten bestimmt rocken. Generell gehen die Songs unglaublich schnell ins Ohr, spätestens beim dritten Hören kann man weitestgehend mitsingen. Man kann ihnen jetzt mangelnden Tiefgang vorwerfen, aber die Sportfreunde sind auch nicht als lyrische Meister bekannt. Macht aber nichts, denn diesen Anspruch hatten sie bei ihrem „Burli“ mit Sicherheit auch nicht.

So vermeiden die Sportfreunde jegliche Form von politischer Botschaft („Man kann sich ja unendlich streiten über’s Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ – herrlich nichtssagend) – es geht in ihren Songs um Freundschaft, zwischenmenschliche Beziehungen und Banalitäten

Also alles beim Alten? Nicht ganz. Diesmal verzichten die Sportis zum Glück auf den exzessiven Einsatz des Keyboards, das die Songs auf den Vorgängeralben oft in die Länge zog. So kommen die drei Münchener zu einem schönen, nur leicht veränderten, aber etwas härteren und trotzdem für sie typischen Sound. Die drei Apostel „im Namen der Freundschaft“ erfinden somit weder die Musik noch sich selbst neu.

Die Highlights der Platte sind für mich sowohl musikalisch als auch textlich „Ungewöhnlich“ und das sehr witzige „Ich Roque“, bei dem man bei so viel Einfallsreichtum garantiert ins Schmunzeln kommt. Einfach gut. Auch wenn noch Luft nach oben da ist: ich „roque“ auch - und zwar mit dem bisher besten Album der Sportfreunde Stiller.

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