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16.09.2003 Autor: atsixpm

Deftones - dto.

White Pony war unglaublich. Unglaublich weil sich ein Album gleich beim ersten Hören in meinem Kopf festgesetzt hat, jeder Song so eingängige Riffs und Gesangslinien besaß, dass diese mich bis heute nicht mehr loslassen, und eine Band den bereits grandiosen Vorgänger noch einmal in die Schranken verwies. Dazu ein Duett mit Maynard Keenan, seines Zeichens Sänger bei Tool, welches bis heute die Referenz für Kooperationsarbeiten darstellt. Jeder Song für sich ist ein Meisterwerk, im Kontext ergibt sich unglaublich homogenes und stimmiges Album, welches vom erste Ton an einen Spannungsbogen erzeugt, der erst mit dem Schlussakkord endet. Für mich eines der besten Alben des letzten Jahrzehnts und der Grund warum die Deftones zu meinen absoluten Lieblingsbands gehören. Nun, an all dem muss sich der nun vorliegende, unbetitelte Output messen lassen. Man ahnt es schon, ich bin bestürzt. Selten so auf eine CD gewartet und so enttäuscht worden. Erst will man es nicht wahrhaben und kann nicht glauben, dass die Deftones Songs schreiben können, welche mit wenigen Ausnahmen nichts, aber auch gar nichts, in mir bewirken, außer Niedergeschlagenheit und Leere. „Das muss noch wachsen“ denkt man, doch da wächst einfach nichts. Dabei kann man gar nicht genau festmachen, woran das denn nun liegt. Die Songs sind an und für sich typisch Deftones, abgesehen von ruhigeren elektronischen Experimenten. Die Single „Minerva“ etwa geht sofort ins Ohr, nur um sich darin aber auch schon alsbald in einen Ohrwurm der eher ärgerlichen Sorte zu verwandeln, soll heißen, wenig Substanz aber nervig. So verwundert es nicht, dass ausgerechnet die unzugänglicheren, anfangs harten Brocken wie „Hexagram“ und „When Girls telefone Boys“ sich als die wenigen Highlights erweisen. Weiters fehlt auf Albumlänge jeglicher Spannungsbogen, die CD wirkt wie die Aneinanderreihung von Stücken die in keinerlei Bezug zueinander stehen, dies alles aber wie gesagt, ohne wirklich schlechte Songs abgeliefert zu haben. Denn diese bieten altbewährtes uns sind wohl gerade deshalb langweilig, Stagnation auf hohem Niveau (© Visions) eben. Somit bleibt am Ende des Tages die Erkenntnis, dass diese Band ohne die Bereitschaft für Weiterentwicklung in Punkto Sound und Songwriting Ihren Zenith wohl schon überschritten hat, und dies Erkenntnis schmerzt einfach aus den eingangs genannten Gründen ungemein.

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