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13.04.2003 Autor: Ashindra

The White Stripes - Elephant

Keine andere Band zelebriert mit solch stoischer Überzeugung minimalistischen Garagen-Rock wie The White Stripes. Vielleicht müssen sie das auch. Denn The White Stripes bestehen lediglich aus Meg und Jack White - und mit vier Händen kann man ja kein ganzes Orchester bedienen. Tatsächlich reichen jedoch Gitarre und Drums vollkommen aus, um einen prallen Sound zu erzeugen. Das passt den beiden gut, denn nichts liegt Meg und Jack ferner als überproduzierte Arrangements und Hightech-Studio-Firlefanz. Das ist nicht ihr Ding - davon abgesehen, ist es teuer. Insofern könnte man das Duo aus der Nähe von Detroit auch getrost als sparsamste Truppe des Musikbiz bezeichnen: Die Aufnahmen für das vierte Album "Elephant" kamen gerade mal auf schlappe 7.000 Euro. Für so wenig Kohle stehen andere Rocker gar nicht auf! Mal ganz ehrlich: Virtuose Klangmeister sind The White Stripes nicht gerade. Megs Ramtamtam-Stil am Schlagzeug klingt schlicht, Jacks Gitarrenparts kommen meist sehr ruppig und ungeschliffen rüber. Und genau das macht den spröden, natürlichen Charme der "Streifen" aus. Ein Track wie "7 Nation Army" lebt durch diese Einfachheit: Der straighte Drumbeat wird hier von bebenden Bassvibes durchwirkt - laut Jack ist das jedoch auch nur eine weitere Gitarre, die akustisch verfremdet wurde. Ein bisschen erinnert diese Songstruktur an PJ Harveys "Down By The Water". Der Song wälzt sich in seinem Groove-Bett hin und her, bis er in einem zirpenden Gitarrensolo seinen Climax erreicht. Das ist schlichtweg nur geil! Ebenso "The Air Near My Fingers", ein klassischer Rock-Tune, der mit den Harmonien von "Wild Thing" spielt. Ihre Punk-Einflüsse bringen The White Stripes bei Songs wie "Black Math" oder "Good To Me" unter, während "It's True That We Love One Another" wie ein vergessener Folk-Track aus den Sechzigern rüberkommt. Und bei "I Just Don't Know What To Do With Myself" lässt die Rockabilly-Ära grüßen. Wenn man The White Stripes hört, bleibt einem nichts anderes übrig, als völlig hingerissen zu sein! Meg und Jack, die sich gerne als Geschwister ausgeben - ob's stimmt, weiß wohl nur die Mutter -, betören durch ihre einfachen, aber raffinierten Songideen auf ganzer Linie. Da steckt eine Menge Power drin, was wiederum beweist: Es braucht kein großes Tamtam, um ein rundum sattes Rock-Album zu produzieren! Respekt!

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