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08.12.2002 Autor: HERMIT

Silverchair - Diorama

Silverchair entführen uns mit Diorama in eine völlig neue Gefühlswelt des genialen Songwriters Daniel Johns. Zeichneten sich die ersten drei Werke, vor allem das Überalbum Neon Ballroom, durch ihre düstere, verzweifelte Stimmung aus, so geht Diorama einen anderen Weg: Melancholie - ja, aber Verzweiflung und Wut - nein. Doch gerade diese neue Stimmungslage steht der Band gut zu Gesicht. Das Album hat etwas sehr mystisches an sich. Oberflächlich erleben wir hier einen Daniel Johns, der mit sich selbst ins Reine gekommen ist, der manchmal fast glücklich wirkt. Aber wer sich gründlich mit Diorama beschäftigt merkt, dass dieser neue Daniel Johns sich nur insofern vom alten unterscheidet, dass er seine Trauer und Wut in Songs verpackt, die den Hörer und vor allem ihn selbst von diesen Gefühlen ablenken. Gerade ein Song wie "Luv Your Life" belegt das sehr gut: Fröhlich bis der Balken kracht, mit tuffigem Doo-Doo-Doo - Refrain und trotzdem ist man aus unerklärlichen Gründen von einer Melancholie überwältigt, die man dem recht harmlosen Song gar nicht zugetraut hätte. Ähnlich verhält es sich auch bei "The Greatest View" oder dem unglaublich guten "Tuna In The Brine", wobei letzteres längst nicht so eingängig daherkommt wie so mancher Song des Albums. Bei "One Way Mule" und "The Lever" werden dann auch die verzerrten Gitarren wieder ausgepackt, doch der rote Faden der Platte bleibt stets erhalten. Sicherlich gibt es viele, die den neuen Weg dieser Band nicht mitgehen werden, weil der Rockfaktor bei Diorama doch deutlich in den Hintergrund gerückt ist. Doch all denen sei gesagt: Sie verpassen ein Meisterwerk und das meiner Meinung nach zweitbeste Album 2002!

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