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04.10.2002 Autor: KEACHERTOOL

Nine Inch Nails - The Fragile

”you and me
we’re in this together now
none of them can stop us now
we will make it through somehow
you and me
even after everything
you’re the queen and I’m the king
nothing else means anything”


So könnte man es seinem/seiner Liebsten sagen. Oder eben diese CD beschreiben.
Manchmal frag ich mich was für Musik Trent Reznor eigentlich macht!
Irgendetwas mit Elektronik schießt mir dann als erstes durch den Kopf.
Und mit Elektronik hab ich eigentlich doch gar nichts am Hut.
Doch die Elektronik ist ur der Schleier, wie Nebel, unter der Oberfläche gibt es viel zu entdecken! Dann stell ich mir die Frage warum ich mir das hier antue, warum nur.
Und auch diese Antwort habe ich sofort parat!
Es ist ganz einfach krank, und so soll es auch sein, so soll es sein, ja, genau so!
Die ganzen Effekte überschlagen sich, alles wird laut, Gehammere, Instrumentales Geschreie!
So fühl ich mich auch des öfteren, Gefühle überschlagen sich,
Von einer zur anderen Minute ändert sich meine Stimmung.
Und Trent Reznor schließt diese Gefühle in Musik ein, verwandelt sie in Kunst,
Mit Drogen habe ich rein gar nichts am Hut, doch wie schon erwähnt,
beschreibt diese Musik gut meine Stimmung.
Vielleicht bin ich ja auch etwas psychisch krank, doch wer ist das nicht?
Dann doch mal zu Trent Reznors Gefühlen selbst, so kaputt und schmerzhaft und deprimierend die Texte sind, so wirr und kaputt ist die Musik.
Krach, Stille, Schönheit, mit „Somewhat Damaged“ ist schon das meiste gesagt.
Großes Kino würd ich den Titel „The Day The World Went Out“, still bahnt er sich den Weg in unser Gehirn! Und „The Frail“ ein brillantes Piano Kunststück, das einem einen eiskalten Hoffnungsschauer über den Rücken laufen lässt. „We’re In This Together Now“- oben stehts ja schon.
Der Titeltrack hat’s zum Schluß richtig in sich, den letzten Gesangspart hab ich bis jetzt aber noch nicht gehört. „Just Like You Imagined“ kommt zu Anfang mit schönem traurigen Piano, in der Mitte peitscht es sich nach oben und macht richtig Krach und zum Schluß wird es wieder schön.
„Pilgrimage“ ist eine Siegeshymmne, die dich dazu auffordert eine “Revolution“ zu starten!
„La Mer“ ist wohl das schönste – nicht das Beste oder Stärkste Stück – einfach wunderbar, begleitet von einer lieblichen Frauenstimme, so ruhig, zum Augenzuschließen und Träumen.
„The Great Below“ knüpft da an wo „La Mer“ aufhört.
Bei „The Way Out Is Through“ sollte man seine Ohren weit aufsperren damit man zwischen dem Lärm auch noch den Gesang mitverfolgen kann.
„Where Is Everybody“- sind wir nicht alle mal allein in dieser großen von schmerz geplagten Welt?! Was soll man noch zu „Starfuckers, Inc.“ sagen? – im Hintergrund gibt es etwas zu entdecken – wie überall in diesem Verzweigtem Album. Man sollte sich viel Zeit nehmen für dieses Meisterwerk!
Was für einen Output dieser Mann haben muss, was ihn alles gequält haben muss, das er 2CDs voller Leiden, Schmerz und einem winzigen Licht voller Hoffnung kreieren kann ohne das diese auch nur eine Minute langweilig erscheinen. Sage und schreibe 102 Minuten Musik = 1 ¾ Stunden. Zum krönenden Abschluss gibt es dann das gesangfreie 7 Minuten lange „Ripe (With Decay)“. Ein Track rauszupicken heißt den Kontext zu zerstören, denn so wie ich es mir bei Tool wünschen würde hat Trent Reznor es realisiert, die Verknüpfung aller Tracks, einer fließt in den anderen, so wie Nebenflüsse in ihren Hauptfluss. Verschiedene Zugaben laufen alle in einen Trichter und vermischen sich zu wunderbarer Kunst!

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