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12.07.2002 Autor: YUKUZA

Red Hot Chili Peppers By the way

By the Way

Ausgerüstet mit Yoga-Tee und fast schon meditativer Stimmung sitz ich also an meinem Schreibtisch und höre die langerwartete neue Scheibe der Peppers, die so ganz nebenbei den Titel „by the way“ trägt. Der Einstiegspreis von 12 € hat mich schon sehr stutzig gemacht und eine hoffnungslose Suche nach einer evt. vorhandenen S.E. für einen höheren Preis ausgelöst. Dem war nicht so, also musste ich mich wohl mit Besagtem abfinden. Den ersten, schon Ohrwurm gefährdenden, Track „by the way“ überspringe ich getrost um endlich an neues Material heranzukommen. „Universally Speaking“ also erinnert mich direkt in den ersten Akkorden sowie Zeilen an die Newcomerband „Strokes“. Im Refrain jedoch wechselt der Eindruck aufgrund der Beatles artigen John-Chöre im Hintergrund. Der geheimnisvolle Eindruck der ersten Zeilen verschwindet schnell und lässt den Song gegen Ende doch noch ein wenig offener werden. Außerdem sorgen synthi – sounds für eine Art Überraschungseffekte. Weiter geht’s mit dem Bass-opener von „This is the place“, der von zunächst typischem Kidies Gesang gefolgt wird. Was dann folgt ist jedoch unerwartet: eine mit Echo begleitete Schleife in Kidies tonartwechselndem Gesang! Hat da etwa wer Gesangsunterricht gehabt? Der Refrain folgt ähnlich, erinnert nur jetzt eher an Dur-Tonarten und wird wieder von John’s synthi-manipulierter Gitarre begleitet. Insgesamt wieder ein Geheimnisvoll begonnener Track der sich jedoch durch den enorm fröhlich, erleichternd klingenden Refrain in einem permanenten Stimmungswechsel befindet. Bei „Dosed“ fallen mir zu Beginn sofort die Instrumental Stücke von Frusciantes neuestem Solowerk ein, der typische F. Gitarrensound also: drei vier genial klingende E-gitarren-Töne unterspielt mit einem kleinen Akustik-part der im gesamten Stück anhält. Hier geht Kidies jedoch sehr gewagt ans Werk, mit einer derart hohen Stimme, dass man schon fast zu zweifeln beginnt ob da keine mixer im Spiel waren, säuselt er eine sehr poplastige Ballade ins Mikro. Das gesamte Stück ist sehr ruhig gehalten und lässt mich im Refrain schon fast an das Wort K..sch denken. Weiter geht’s mit dem soft-rockigen Intro von „Don’t forget me“. Der Echo-beinflusste Gesang erinnert mich jedoch irgendwie in positiver weiser an „breaking the girl“ obwohl der Song herzlich wenig parallelen dazu zeigt. Es scheint so als sei hier fast jedes Instrument Echo-beinflusst. Die einzelnen Fruscinate Töne zeigen jedoch mal wieder wie Ausdrucksstark und beinflussend sie sind. Ebenfalls dieser Song könnte als Ballade bezeichnet werden, bekommt jedoch durch Fruscinate’s Input sowie Kidies Gesang ein besonderes Flair. Insgesamt besitzt „Don’t forget me“ ein etwas indianischen Touch. Der Kritikpunkt an diesem Track jedoch: ein etwas merkwürdig klingendes Rauschen im Hintergrund der langanhaltenden Stimme Kidies’ im Refrain. „The zephyr song“ ist in den Strophen schon fast Peppers-typisch. Wenigstens Kidies Gesang, der endlich wieder typisch abgehackt, jedoch wieder ein wenig zu hoch, klingt. Im Hintergrund begleiten wieder John-Chöre sowie typisches John-solospiel. Der Refrain jedoch überschreitet alle Grenzen: Eine herrlich-schrecklich, fröhlich klingende Pop-Einlage, die ZUM GLÜCK sofort durch ein depressiv klingenden Epilog beendet wird. Zum Glück kann da Frusciante einiges durch sein wunderschönes Solospiel retten. Der nächste Track mit dem Titel „Can’t Stop“ nistet sich wohl wahrscheinlich in jedes Peppers Herz sofort ein und pachtet seinen festen Platz. Endlich wieder Funk, endlich wieder ein Stück Erinnerung an „alte Zeiten“! Begonnen mit einem leichten Frusciante Spiel begleiten von Chad’s Cymbals und Drums, was in Kombination enorm viel Spannung aufbaut, kommt die Erlösung durch Flea’s typisches slappen und Kidie’s typtischem, bereits angesprochenem, abgehackten Gesang, nur diesmal in der richtigen Tonlage. Einfach herrlich. Zwar hat sich Kidies Stimme ein wenig verändert, das tut bei diesem Höhenflug an Gefühlen jedoch nichts zur Sache. Der Refrain stellt die zweite Erleichterung da: hier fängt Kidies ,einfach nur melodisch wunderschön, an zu singen! Die, nach dem zweiten Refrain folgende Bridge wird mit einfachem aber passendem Frusciante Input begleitet. Das –sogar verzerrte- Solo wird übersungen, Anthony singt zwei Sätze alleine: fertig ist der Song. GENIAL!

Noch nicht ganz erholt, und immer noch mit offener Kinnlade sowie aufgeweichtem Herz, begebe ich mich zum nächsten Track, der mir die nötige Erholung bietet. „I could die for you“ ist ruhig und dezent gehalten. Längst nicht so popig und kitschig wie bei „Dosed“ singt Anthony seine Zeilen und kommt im Refrain in einen kleinen, wunderschönen Höhepunkt. Der kleine Salto den Kiedies’ Stimme später begeht ist zwar etwas ungewöhnlich jedoch allemal verzeihlich. Die Streicher im Intro des nächsten Tracks lassen eine weitere Ballade erahnen, der Schein trügt jedoch. Geheimnisvolle synthi-Winde sowie John’s Hammering überzeugen von weitaus mehr! Erwartungsvoll sowie mit fragender Betonung verbreitet Kidies „Midnight“ Stimmung. Im Refrain öffnet sich der Song und steigert sich durch zweistimmigen Gesang zur Erlösung der Spannung und Geheimnistuherei! Gegen Ende ist von der eigentlich Spannung jedoch nichts mehr zu fühlen, das Geheimnis ist gelüftet: ein wenig schade, jedoch wahrscheinlich beabsichtigt. Und kaum hab ich mich wieder beruhigt erliege ich einer weiteren Herzattacke, die durch das enorm temporeiche bass-pattern von „Throw away your television“ ausgelöst wird. Kein Frusciante und lediglich noch chads hinzugefügte drums, sowie natürlich Flea, begleiten Anthony’s fordernden Gesang. Nur gelegentlich fügt auch Frusciante die einen oder anderen zwei Töne hinzu. Der Song ist eine einzige Hetzjagd ausgelöst durch Fleas Phänomenalem Spiel. Selbst im Refrain wird die Hetzjagd nicht gestoppt sondern lediglich durch Frusciantes Input ein wenig erfrischt. Geistreich, nach dieser Strapazie bin ich reichlich ausßer Atem, aber beeindruckt! Und was ist das jetzt? Stilbruch oder einfach nur Abwechslung? Da legen die Herren auf einmal etwas komplett mexikanisches ab und singen mit rollendem R ! „Cabron“ ist unterlegt mit permanent temporeichem akustik-Gitarren Input und temporeichen Drums. Rhythmisch singt Anthony leicht schmerzlich, leicht dramatisch und die Hawai Gitarre gibt teilweise das Beach-Feeling. Trotz-alledem löst der Song viel positives aus und ist einfach nur Herrlich anzuhören, aber Peppers untypisch und daher schon wieder typisch für dieses Album! In „Tear“ zeichnet sich schon wieder eine Ballade ab. Ebenfalls wieder sehr dezent gehalten in den Strophen, sowie warm-scheinend und mit John-chören unterlegt im Refrain. Nach dem Refrain bemerkt man jedoch, das die Strophe absolut perfekt und notwendig ist, genauso wie sie ist: der Motor des Songs im prinzip, der das Geflecht zusammenhält und antreibt, Strophe für Strophe! Plötzlich tauchen Bläser auf, die das perfekte Geflecht aus Strophe und Refrain jedoch lediglich kurzzeitig unterbrechen. Und nach dieser wohltutenden Entspannung erscheint die nächste Überraschung. Im Sublime-artigen Stil konstruieren die Protagonisten einen Ska-song der sich mehr als nur „hören-lässt“. Die permanenten Bläser im Hintergrund von „on mercury“ stammen meiner Meinung nach ebenfalls wieder aus den Gefilden John’s Synthesizer! Synchron dazu spielt John permanente Chords und Kidies singt in seltsamem Dialekt. Im Refrain klingt dessen Stimme warm, zufrieden und heiter, unterlegt mit Chören von wem? Wer hätte gedacht, was hier alles möglich ist? So, mehr geht nicht, hab ich mir gedacht. Was kann ein solches Album noch ungewöhnlicher machen? Vielleicht ein 70s dance Feeling, ein klein wenig a-la Jamiroquai? Mit „Minor Thing“ ist auch dies auf dem wohl bislang ungewöhnlichsten Album des Jahres enthalten. Die schnellen, trioleartig gespielten (natürlich unverzerrten) chords John’s halten vom Intro her über das gesamte Lied an. Kidies singt dazu mit extrem langgezogenen Vokalen und erschafft mit John’s hilfe einen temporeichen, extrem zufrieden und fröhlich klingenden Track. Die kleine Funk, Sprechgesang Einlage nach dem Refrain klingt zwar irgendwie ein wenig unpassend, nimmt dem Song jedoch nicht das Tempo. Der Song schreit schon fast nach der Aussage: „wir haben uns jetzt verändert, aber keine Angst alles wird gut“! Mit „Warm Tape“ begibt sich Kidies jedoch auf Gebiete die er besser unerkundet gelassen hätte. Während der Refrain zwar noch schön, leicht kläglich/depressiv klingend, anzuhören ist missachtet Kidies in der Strophe jegliche Ethik: Von jammerndem Synthi sound unterlegt erklingt eine hallende, leicht eingestauchte Stimme, die an das original Kiedies’ rein gar nicht mehr erinnert! Währe da nicht dieser doch wunderschöne, Mut verleihende Refrain, der irgendwie nicht zu vergessen ist, könnte der Song durchaus als Schlecht bezeichnet werden! Schließlich geht’s mit „Venice Queen“ (durchaus schwer zu analysieren) an das Ende dieser Scheibe. Hier bekommt der Hörer jedoch noch mal ein richtiges Schmankerl geliefert. Leichtes, geheimnisvoll klingendes Frusciante Spiel Eröffnet und unterlegt die leicht fordernden Vocals Kidies, die den Song (bis hier!) schon fast beängstigend erscheinen lassen. Ständig schreit die Seele hier nach Erlösung, die jedoch selbst in den Refrain artigen parts kaum erscheint! Immer wieder setzt der Gesang kurzzeitig aus und die –in den Vordergrund dringende- Gitarre erhöht die Spannung abermals. Schließlich klingt alles aus: fade out, ist der Song schon zuende; kann nicht sein?! Plötzlich erklingt ein monströses Chord-geschramme: die Erlösung, völliger Takt und Rhythmus Wechsel, keine Spannung mehr!!! Kidies singt so schön und Erleichtert, das einem das Herz fast in die Hose rutscht! Gegen ende öffnet sich der Song wieder genau wie bei „Midnight“ und lässt vorher geschehenes kaum mehr erkennen!

Insgesamt ein Album das fast schon an den Grenzen der Unmöglichkeit grenzt; Hauptsächlich da die Peppers ihren Weg, den sie mit Californication schon eingeschlagen haben jetzt -sogar viel- weiter gegangen sind und ihren Stil fast komplett verändert haben. Mit „Can’t Stop“ und „Throw away your Television“ bleibt zwar (zum Glück) ein Partikel des alten Stils erhalten, insgesamt kann dieser „by the way“ aber nicht mehr dominieren! Anstattdessen erinnert das Album fast an ein Multi-Stil Werk und klingt dennoch wie eine Einheit und nicht wie zusammengepusselt. Trotz der gelegentlichen Schwächen und Fehlgriffe, hauptsächlich was den Gesang Kidies angeht, kann „by the way“ getrost als sehr gelungen und schon fast genial bezeichnet werden.

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