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26.10.2001 Autor: RICO

Motorpsycho Phanerothyme

Was ich musste ich in der Visions lesen? Stagnation sei bei Motorpsycho eingekehrt. Heute reagiere ich darauf mit einem ungläubigen Kopfschütteln, aber damals dachte ich schon, dass es das mit meiner Zuneigung zu der Musik der drei Nordlichter gewesen wäre, denn noch so eine „Enttäuschung“ wie „Let them eat cake“ glaubte ich nicht zu verkraften. Dennoch wagte ich mich es in „Phanerothyme“ rein zu hören. Und ich war absolut positiv überrascht, was ich da zu hören bekam, bewegte mich wirklich wieder. Also Album gekauft, zu Hause auf Rotation geschickt und sie rotiert noch heute. Was für Melodien! Mal zarte, fast zerbrechliche, dann wieder rockende Songs und ständig der Hauch von Genialität über allen Stücken. Zwar ist dieses Stück Musik nicht mit dem Meisterwerk „Trust us“ zu vergleichen, ( da liegt die Meßlatte wohl etwas zu hoch) aber es ist wirklich ergreifend vom ersten bis zum letzten Ton, vom einzigen schwächeren Stück ( „Go to California“) einmal abgesehen. Ein weiterer angenehmer Aspekt an der Platte ist, plötzlich weiß ich auch den Vorgänger zu schätzen.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf dieses unsägliche Wort „Stagnation“ zurück kommen. Ich glaube einige Musikliebhaber erwarten manchmal zuviel, denn man muss seinen Stil nicht ständig komplett umorientieren um zu gefallen. Fast macht sich in mir der Eindruck breit, die Platte wurde in der Visionsrezension deshalb nicht so gut bewertet, weil es keine Veränderung seitens Motorpsycho gab. Wäre „Phanerothyme“ nach „Trust us“ erschienen, hätte man diese womöglich hochgejubelt und statt dessen „Let them eat cake“ als Stillstand abgefertigt.

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