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07.12.2002 Autor: SULZBERGER 0

Boysetsfire: Kaserne (Basel) - (04.12.2002)

Vorsorglich schon vor der offiziellen Türöffnung wurde den noch wenigen Besuchern Einlass in die heiligen Hallen gewährt. Man rechnete wohl mit dem grossen Ansturm auf die Abendkasse, gehörte Basel doch bislang zu den wenigen Venues, wo die Tour von obigen Bands noch nicht ausverkauft war. Dieser blieb aber unerwarteterweise wohl aus, wie meine Augen das einzuschätzen vermochten; nach 20 Uhr begann sich der Raum zwar langsam zu füllen, Platz war aber immer noch genug vorhanden. Den Anwesenden konnte dies natürlich nur recht sein, so hatte man seine schöne Ruhe den Merchandise Stand zu besichtigen und brauchte nicht lange auf die Bedienung an der Bar zu warten.

Gegen 21 Uhr kam es dann zum ersten Act dieses Abends: Là par force. Der Name war mir von einem Song auf der letzten OX-Compilation bereits ein Begriff, hohe Erwartungen hatte ich anhand dessen nicht. Und so wurde ich von dem deutschen Quartett aus Regensburg regelrecht überrascht - dynamische Songs im Mid-tempo Bereich, welche an Bands der alten Emo-Schule wie Moss Icon oder Braid erinnerten. Ein Mitbesucher hatte zu LPF aber die wohl träfste Beschreibung zum Sound von LPF parat: "Wie ein schöner Abend am Kamin." Wohl verstanden: Ich habs nichts gegen solche Abende, ganz im Gegenteil. Auch das Publikum wusste die heutige Arbeit von LPF scheibar zu schätzen, gefälliges Kopfnicken und artiger Applaus mit verhaltenen Jubelrufen nach Beendung des Sets gespickt bewiesen dies.

Und nun galt es Death by Stereo zu überstehen. Richtig bemerkt, DBS waren nie mein Amt. Von ihren Livequalitäten habe ich mich jedoch nie überzeugen lassen können, weswegen ich mich auch dieses Mal nicht in die hinteren Reihen verdrückt habe. Nach einigen Aufrufen von Augenfang und Sänger Efrem Schulz begann das Publikum langsam aufzutauen und zuweilen bildeten sich gar Circlepits, welche jedoch nicht sehr lange währten, Stagediver blieben gar gänzlich aus. Die Leute, welche sich nicht so weit nach vorne trauten, mussten sich mit dem Mundgeruch von Herrn Schulz konfrontiert sehen, versuchte doch dieser mit sporadischen Ausflügen von der Bühne aus, sie gleich von Auge zu Auge einzuheizen. Da war natürlich klar, warum der gute Mann mit dem schnellen Tempo seiner instrumentierenden Kollegen nicht mithalten konnte. Diese haben nämlich richtig gute Arbeit geleistet und Metal-Soli von der feinsten Sorte aus dem Aermel schütteln können. Vielleicht ein Grund für mich einer ihrer Platten Mal wieder einen Hördurchgang zu geben.

Nach den Spassmachern von DBS wandelte sich dann das Bild urplötzlich: So wenig Leute wie vorhin noch vorne gestanden sind, blieben noch hinten, der Rest wollte Boy Sets Fire von so nahe wie möglich sehen. Der Abend gehörte ihnen und das stellten sie auch gleich mit ihrem ersten Song eindrücklich unter Beweis: "RIIIISE, RIIIISE, RIIIISE, RIIIISE"! Gibt es einen besseren Anfang? Nein, ich denke nicht. Die Leute brennten förmlich auf diesen Adrenalinausbruch, unzählige Fäuste schlugen im Takt zu 45 ° in die Luft und dann der grosse Showdown, sobald das Intro in den Moshpart überwechselt, wo sich auch gleich die ersten Stagediver auf die Bühne wagten. Auch der folgende Song verlor nicht an Power, die Energie dieser Band schien unausschöpflich. Eben besagte Energie zeigte sich auch in eher ruhigeren Songs, so z.B. bei "My life in the knife trade", wo Nathans Stimme im Intro wohl so einigen eine Gänsehaut bescherte. Als ersten neuen Song gab es "Release the dogs", welcher auf genauso viel Zustimmung stoss wie die alten Klassiker. Nebenbei angemerkt gibt es noch, dass es zu jedem noch unveröffentlichten Lied ein äusserst ausführliches Statement von Nathan gab, das neben den fast schon obligaten und (langsam langweilig werdenden) "Fuck George W. Bush"-Aufrufen auch sehr fundierte politische Aussagen beinhaltete. Wohl DER Punkt, wo sich die Kommunisten, Anti-Rassisten, Feministen von Boysetsfire, am meisten von der Masse absetzen, und sie zu einer Band machen, die wirklich was zu sagen hat. Zu den neuen Tracks bleibt mir noch zu sagen, dass man sich hier auf was ganz Grosses freuen kann - ich wage sogar die These aufzustellen, dass es noch grösser als auf "After the Eulogy" sein wird. Nun aber zurück zum Gig selber: Es war eine wirkliche Freude, dieser so sympathischen Band beim Spielen zuzusehen, welche ohne plumpen "Heyho`s" die Leute zu motivieren vermochten, so "abzugehen" wie schon lange nicht mehr. Die Zeit schien wie verflogen zu sein, als die Band dann bei ihrem eigentlichen Rausschmeisser angelangte: "Rookie". Obwohl der Song bei vielen Leuten scheinbar DER BSF-Favorit ist, bekamen sie noch immer nicht genug davon und riefen nach Zugaben in den Sprachen Schweizer-Deutsch, Deutsch und Französisch. Die Band liess ein Weilchen auf sich warten, hatte sie dem Publikum doch zu verstehen geben wollen, dass Nathan gerade krank sei. Aber BSF ohne Zugabe sind nicht BSF und so stellten sie sich noch einmal hinter ihre Instrumente und spielten ihren ultimativen Stampfsong "Twelve Step Hammer Programm".

Die Audienz war dann am Schluss sichtlich erschöpft. Aber das war ja Sinn und Zweck von dem heutigen Konzert, denn wie heisst es so schön in "Live for today"? "Over and out, but the memory remains." - Darauf könnt Ihr einen lassen.

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