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28.11.2002 Autor: DASEI 0

Bright Eyes: Bielefeld, Forum - (27.11.2002)

Ich kannte Conor Oberst bisher nur aus VISIONS-Plattenkritiken, fühlte mich nicht wirklich angesprochen. Da kam der Zufall: Ein Kumpel sagte, er wolle zu einem Bright Eyes Konzert und niemand würde ihn begleiten. OK, dachte ich mir, ein Rock-Konzert, wer sagt da nein. Ein Tag vor dem Konzert, hörte ich die "Lifted"-CD der Band, suchte den Rock, war aber schwer begeistert. Das Konzert war dann so wie die CD für mich: Zwei Vorbands, die nie zu meinen Lieblingsbands werden können, da der elektronische Beat für die ansonsten ruhige, mal an ruhige Cranberries- oder Travis-Stücke erinnernde, Gitarrenmusik zu aufdringlich war (bei Azure Ray - subjektive Meinung, habe es lieber traditionell) oder aber die feinsten Rock/Pop-Stücke durch elektronische Spielereien innovativ verfeinert (werden die einen sagen) bzw. verhunzt wurden. Zu beiden Vorbands lässt sich zusammenfassend sagen: Grandiose Stimmen der beiden Sängerinnen von Azure Ray, ein teilweise an Robert Smith, manchmal auch den frühen Bono, erinnerndes Organ des Sängers von The good life.
Dann betrat ein kleiner Mann mit Mütze die Bühne und verzauberte mit seiner Gitarre und seiner Stimme die ca. 250 Leute im Forum - Ich kann Menschmengen nur schlecht schätzen, aber nach dem Solo-Opener von Conor Oberst standen mit ihm 10 Musiker auf der kleinen Bühne. U.a. sah man die beiden Vorbands wieder - an anderen Instrumenten. Die Instrumentierung wechselte häufig, die Musiker die sie bedienten teilweise auch. Es war ein wunderschöner Abend, dessen Musik nur schwer zu beschreiben ist. Ein bißchen The Cure, eine Prise New Model Army, eine Messerspitze Country, der Geist von Bob Dylan, ganz viel Melancholie und Meldodien, die verzaubern, ohne Radiotauglich zu sein (Bright Eyes lässt sich nur ganz schwer in Worte fassen). Der letzte Song der Zugabe bestand wieder nur aus der Stimme von Conor Oberst und seiner Gitarre.
bei mir hat das Konzert ungute und gute Gefühle hinterlassen: Conor Oberst macht nicht den seelisch stabilsten Eindruck und man kann dem Visions-Redakteur (Schliemann, glaub ich) nur zustimmen, wenn er einen Vergleich zum labilen Kurt Cobain zieht. Auch Conor Oberst macht den Eindruck, als ob er sich bald die Kugel gibt. Hoffentlich tut er es nicht, denn die Musik die er mit seiner Band auf die Bühne zaubert, lässt einen an das Gute in der Musik glauben und man versteht, warum Musik eine Kunstrichtung ist. Großartig! Die volle Punktzahl allerdings kann ich nicht geben, denn wer nach 45 min die Bühne verlässt, um dann noch 15 min Zugabe zu spielen, muss mit "nur" 11 Punkten rechnen!

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